Neue Vorwürfe gegen Netanjahu
In Israel sorgen neue Recherchen für Wirbel: Benjamin Netanjahu soll kurz vor dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 gewarnt worden sein. Der Premier weist den Bericht als falsch zurück.
Foto: Wikimedia Commons / Αντώνης Σαμαράς Πρωθυπουργός της Ελλάδας, CC BY-SA 2.0
Neue Recherchen der israelischen Zeitung „Haaretz“ setzen Benjamin Netanjahu im laufenden Wahlkampf unter Druck. Dem Bericht zufolge soll Israels Regierungschef nur wenige Tage vor dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 eine konkrete Warnung erhalten haben – und diese weder an Armee noch an Geheimdienste weitergegeben haben.
Warnung aus den Emiraten
Laut der Vorabveröffentlichung aus dem Buch „Geiseln: 843 Tage Entbehrung“ der Journalistinnen und Journalisten Schlomi Eldar und Ruth Juval kam der Hinweis vom Emir der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Said Al Nahjan. In einem mehr als 40 Minuten langen Gespräch soll er Netanjahu eindringlich darauf aufmerksam gemacht haben, dass Hamas-Anführer Jahja Sinwar ein „bedeutendes Ereignis“ plane.
Netanjahu weist die Darstellung entschieden zurück. Nach Angaben von „Haaretz“ bezeichnete er die Vorwürfe als „glatte Lüge“. Auch ein enger Berater des Premiers widersprach öffentlich: Eine Prüfung habe ergeben, dass ein solches Telefonat gar nicht stattgefunden habe. Zugleich hieß es, Gespräche auf dieser Ebene liefen nicht ohne Sicherheitsberater ab, relevante Informationen würden normalerweise automatisch an die zuständigen Stellen weitergereicht.
Brisanz kurz vor der Wahl
Die Veröffentlichung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. In Israel läuft bereits der Wahlkampf für die Knesset-Wahl am 27. Oktober. Kritiker greifen Netanjahu deshalb erneut scharf an. Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot erklärte auf X, der Regierungschef habe vor dem 7. Oktober zahlreiche Warnungen erhalten und alle missachtet. Auch Ex-Ministerpräsident Naftali Bennett wirft ihm sinngemäß vor, gegenüber der Hamas Warnzeichen übersehen zu haben.
- Beim Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 wurden rund 1.200 Menschen getötet.
- Mehr als 828 davon waren Zivilistinnen und Zivilisten.
- Beim Nova-Musikfestival starben mehr als 350 Menschen.
- 251 Geiseln wurden in den Gazastreifen verschleppt.
Der Bericht dürfte die Debatte über Netanjahus Verantwortung für eine der schwersten Katastrophen in der Geschichte Israels weiter anheizen. Besonders brisant: Die Veröffentlichung erscheint nur wenige Wochen vor der Wahl und rund einen Monat vor dem nächsten Jahrestag des Angriffs.
Quelle: ORF






