Politik

EU entsetzt über Mladic-Ehrung

08. September 2026
EU entsetzt über Mladic-Ehrung

Mit militärischen Ehren ist Ratko Mladic in Belgrad beigesetzt worden. Die EU-Spitze verurteilt die Teilnahme serbischer Amtsträger scharf und sieht Serbiens Annäherung an die EU belastet.

Foto: UN International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Die Beisetzung des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladic in Belgrad sorgt international für heftige Reaktionen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa bezeichneten die Bilder der Trauerfeier als schockierend. Vor allem die offizielle Unterstützung und die Anwesenheit hochrangiger Vertreter aus Serbien werteten sie als schweres Signal.

Militärische Ehren in Belgrad

Am Montag kamen laut Berichten mehrere Tausend Menschen auf dem Friedhof Topcider zusammen. Die serbische Regierung hatte eine Beisetzung mit staatlichen und militärischen Ehren angekündigt. Eine Ehrenformation begleitete den Sarg, dazu wurden Salutschüsse abgefeuert. Serbische Medien sprachen von einem Staatsbegräbnis.

Präsident Aleksandar Vucic blieb der Zeremonie zwar fern und verwies auf Termine wegen des Besuchs des usbekischen Präsidenten in Belgrad. Sein Sohn Danilo wurde jedoch bei der Beisetzung gesehen. Gerade die sichtbare Nähe staatlicher Stellen zu der Feier sorgt nun für zusätzliche Kritik aus Brüssel.

Verurteilung wegen Völkermords

Mladic war am 27. August im Alter von 84 Jahren in Den Haag gestorben. Dort verbüßte der frühere bosnisch-serbische Armeechef eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Verurteilt wurde er unter anderem für seine Rolle beim Genozid von Srebrenica 1995, bei dem mehr als 8.000 Menschen ermordet wurden, überwiegend muslimische Männer und Jungen.

In Bosnien-Herzegowina löste das De-facto-Staatsbegräbnis Empörung aus. Außenminister Elmedin Konakovic kündigte an, fast das gesamte Personal aus der Botschaft in Belgrad abzuziehen. Auch das Verhältnis zwischen Serbien und der EU wird belastet: Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte einen geplanten Besuch in Belgrad ab.

Quelle: Tagesschau

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