Eine Stimme kippt Turnhalle
In Häggenschwil ist ein Baukredit für eine neue Turnhalle mit fast zehn Millionen Franken denkbar knapp gescheitert: 336 Nein standen 335 Ja gegenüber. Das Ergebnis sorgt im Dorf weiter für Diskussionen.
Foto: Siegbert Brey / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
In Häggenschwil sorgt ein Abstimmungsergebnis mit Seltenheitswert für Gesprächsstoff: Der Baukredit für eine neue Turnhalle ist mit 336 Nein zu 335 Ja abgelehnt worden. Damit fehlte am Ende genau eine Stimme für das Projekt im Umfang von knapp zehn Millionen Franken. Auch einen Tag nach dem Urnengang überwiegen im Dorf Staunen, Enttäuschung und Diskussionen über das weitere Vorgehen.
Kontrolle brachte keine Änderung
Gemeindepräsident Raffael Gemperle schilderte, dass sich die Spannung bereits beim Auszählen aufgebaut habe, als das extrem knappe Resultat sichtbar wurde. Die Stimmen wurden daraufhin noch einmal überprüft. Am Endstand änderte das jedoch nichts. Die Stimmzettel werden nun versiegelt und im Tresor aufbewahrt, damit sie bei einer möglichen Beschwerde erneut geprüft werden können.
Besonders gross ist die Ernüchterung bei den Befürwortern. Walter Schwizer, der das Vorhaben auch im Baukommissionsausschuss begleitet hat, verweist auf den Platzmangel in der bestehenden Halle. Nach seiner Darstellung kämpfen Schule und Vereine schon heute um Hallenzeiten. Wenn Gemeindeversammlungen stattfinden, müsse der Sport ausweichen. Aus seiner Sicht fehlt vor allem für Kinder Raum.
Projekt hatte schon Hürden genommen
Der Weg zur Abstimmung war bereits zuvor alles andere als geradlinig. Ein erster Planungskredit war im November 2023 an der Bürgerversammlung noch gescheitert. Im Juni 2025 gab es dann aber ein klares Ja zu einem Projektierungskredit von 650’000 Franken — mit 123 zu 49 Stimmen. Umso überraschender ist nun das hauchdünne Nein zum eigentlichen Baukredit an der Urne.
- Baukredit neue Turnhalle: knapp 10 Millionen Franken
- Abstimmungsergebnis: 336 Nein, 335 Ja
- Projektierungskredit 2025: 123 Ja, 49 Nein
Auch Politologe Michael Hermann vom Forschungsinstitut Sotomo nennt ein solches Resultat aussergewöhnlich. Dass am Ende eine einzige Stimme entscheidet, sei zwar extrem selten, widerspreche aber der Demokratie nicht. In Häggenschwil ist die neue Turnhalle damit vorerst vom Tisch. Im Dorf wird nun bereits darüber debattiert, ob es einen neuen Anlauf geben soll — während Gegner eine weitere Abstimmung als unnötiges Nachsetzen sehen.
Quelle: SRF






