Politik

Eine Stimme kippt Turnhalle

29. September 2026
Eine Stimme kippt Turnhalle

In Häggenschwil ist ein Baukredit für eine neue Turnhalle mit fast zehn Millionen Franken denkbar knapp gescheitert: 336 Nein standen 335 Ja gegenüber. Das Ergebnis sorgt im Dorf weiter für Diskussionen.

Foto: Siegbert Brey / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

In Häggenschwil sorgt ein Abstimmungsergebnis mit Seltenheitswert für Gesprächsstoff: Der Baukredit für eine neue Turnhalle ist mit 336 Nein zu 335 Ja abgelehnt worden. Damit fehlte am Ende genau eine Stimme für das Projekt im Umfang von knapp zehn Millionen Franken. Auch einen Tag nach dem Urnengang überwiegen im Dorf Staunen, Enttäuschung und Diskussionen über das weitere Vorgehen.

Kontrolle brachte keine Änderung

Gemeindepräsident Raffael Gemperle schilderte, dass sich die Spannung bereits beim Auszählen aufgebaut habe, als das extrem knappe Resultat sichtbar wurde. Die Stimmen wurden daraufhin noch einmal überprüft. Am Endstand änderte das jedoch nichts. Die Stimmzettel werden nun versiegelt und im Tresor aufbewahrt, damit sie bei einer möglichen Beschwerde erneut geprüft werden können.

Besonders gross ist die Ernüchterung bei den Befürwortern. Walter Schwizer, der das Vorhaben auch im Baukommissionsausschuss begleitet hat, verweist auf den Platzmangel in der bestehenden Halle. Nach seiner Darstellung kämpfen Schule und Vereine schon heute um Hallenzeiten. Wenn Gemeindeversammlungen stattfinden, müsse der Sport ausweichen. Aus seiner Sicht fehlt vor allem für Kinder Raum.

Projekt hatte schon Hürden genommen

Der Weg zur Abstimmung war bereits zuvor alles andere als geradlinig. Ein erster Planungskredit war im November 2023 an der Bürgerversammlung noch gescheitert. Im Juni 2025 gab es dann aber ein klares Ja zu einem Projektierungskredit von 650’000 Franken — mit 123 zu 49 Stimmen. Umso überraschender ist nun das hauchdünne Nein zum eigentlichen Baukredit an der Urne.

Auch Politologe Michael Hermann vom Forschungsinstitut Sotomo nennt ein solches Resultat aussergewöhnlich. Dass am Ende eine einzige Stimme entscheidet, sei zwar extrem selten, widerspreche aber der Demokratie nicht. In Häggenschwil ist die neue Turnhalle damit vorerst vom Tisch. Im Dorf wird nun bereits darüber debattiert, ob es einen neuen Anlauf geben soll — während Gegner eine weitere Abstimmung als unnötiges Nachsetzen sehen.

Quelle: SRF

Mehr aus Politik

Eiffelturm-Chef tritt ab
Politik29. September 2026

Eiffelturm-Chef tritt ab

Nach dem Ausschluss von Mitarbeiterinnen beim Besuch einer hinduistischen Delegation zieht der Chef des Eiffelturms Konsequenzen. Patrick Branco Ruivo räumt seinen Posten, nach einer internen Untersuchung werden nun neue Maßnahmen angekündigt.

Marokko hat jetzt eine Frau vorn
Politik29. September 2026

Marokko hat jetzt eine Frau vorn

In Marokko ist erstmals eine Frau zur Regierungschefin ernannt worden: König Mohammed VI. beauftragte Fatima Ezzahra El Mansouri mit der Bildung einer neuen Regierung. Ihre Partei PAM holte bei der Wahl 97 von 395 Sitzen.

Burnham plant Sozial-Umbau
Politik29. September 2026

Burnham plant Sozial-Umbau

Großbritanniens Premierminister Andy Burnham hat beim Labour-Parteitag in Liverpool weitreichende Reformen angekündigt. Im Mittelpunkt stehen ein neues Pflegesystem für England, niedrigere Lebenshaltungskosten und mehr staatlicher Einfluss auf Infrastruktur.

Erste Festnahmen in Budapest
Politik29. September 2026

Erste Festnahmen in Budapest

In Ungarn nimmt die neue Regierung das System von Viktor Orban ins Visier. Im Parlament in Budapest wurde zwei Ex-Ministern die Immunität entzogen, gegen sie laufen Korruptionsermittlungen über insgesamt rund 80 Millionen Euro.

Raketenalarm über Kiew
Politik29. September 2026

Raketenalarm über Kiew

Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist erneut von russischen Raketenangriffen getroffen worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht von Attacken auf Wohnhäuser, Geschäftszentren und weitere zivile Ziele in insgesamt neun Regionen.

Iran droht Rückkehrer mit Tod
Politik29. September 2026

Iran droht Rückkehrer mit Tod

Der iranische Regimegegner Ali Zarei, der nach seiner Flucht zeitweise in Deutschland lebte, sitzt wieder in Iran in Haft. Menschenrechtsgruppen befürchten, dass seine Hinrichtung im Gefängnis Ghezel Hesar kurz bevorstehen könnte.