Politik

Wut nach Räumung in Madrid

27. September 2026
Wut nach Räumung in Madrid

Nach der Zwangsräumung einer 87-Jährigen sind in Madrid Zehntausende für bezahlbares Wohnen auf die Straße gegangen. Der Fall setzt Spaniens Regierung unter Druck und befeuert die Debatte über Mieterschutz.

Foto: Dmitry Dzhus from London / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Wenige Tage nach der Zwangsräumung der 87-jährigen Maricarmen Abascal haben in Madrid Tausende Menschen gegen hohe Mieten und fehlenden Schutz für Mieter demonstriert. Nach Angaben des Innenministeriums beteiligten sich rund 25.000 Menschen, die Organisatoren vom Mieterverband "Sindicato de Inquilinas" sprachen sogar von 300.000. Auslöser war ein Fall, der in Spanien große Empörung ausgelöst hat.

Ein Fall, der viele aufrüttelt

Abascal hatte 70 Jahre lang in ihrer Wohnung im Stadtteil Retiro gelebt. Nachdem ein Investor das Gebäude kaufte, wurde die Miete laut Quelle um 275 Prozent auf 2.650 Euro im Monat erhöht. Am Mittwoch wurde die Seniorin aus der Wohnung geräumt. Bilder, die sie auf einer Trage zeigen, verbreiteten sich schnell und machten den Fall landesweit bekannt. Seit der Räumung kommt es in Spanien täglich zu Protesten.

Kurz vor der Demonstration wandte sich Abascal per Videobotschaft an die Öffentlichkeit. Darin rief sie dazu auf, für bezahlbaren Wohnraum und bessere Regeln gegen Zwangsräumungen zu kämpfen. Bei dem Marsch vom Zentrum Madrids bis zum Kongress wurden Plakate mit Slogans gezeigt, die deutlich machten: Viele Demonstrierende sehen in dem Fall nicht nur ein Einzelschicksal, sondern ein Symbol für die Wohnungsnot im Land.

Regierung unter Druck

Der sozialistische Regierungschef Pedro Sánchez steht wegen der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt unter Druck. Das Kabinett will in der kommenden Woche über ein Maßnahmenpaket beraten, das bereits als "Maricarmen-Erlass" bekannt geworden ist. Geplant sind unter anderem:

Kritik richtet sich in Spanien vor allem gegen Immobilienfonds sowie gegen Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb, die nach Ansicht vieler die Preise weiter nach oben treiben. Zusätzlichen politischen Zündstoff lieferte die Europaabgeordnete Irene Montero von Podemos: Sie forderte die Enteignung von 650.000 Wohnungen, die sich ihrer Darstellung nach im Besitz sogenannter Geierfonds befinden, um daraus sozialen Wohnraum zu machen.

Quelle: zdf

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