Politik

Burnham drückt aufs Tempo

27. September 2026
Burnham drückt aufs Tempo

Premierminister Andy Burnham steht beim Labour-Parteitag nach weniger als 100 Tagen im Amt unter Druck. Mit mehr Geld und Einfluss für den Norden will er den tiefen Graben zu London überwinden.

Foto: Anthony David Padgett / Wikimedia Commons, CC0

Andy Burnham ist noch keine 100 Tage Premierminister, da wartet schon sein erster Labour-Parteitag in der neuen Rolle. Die Aufgabenliste ist lang: hohe Energiepreise, eine schwache Konjunktur, Migration, Europa- und Sicherheitspolitik. Dazu kommt der politische Druck von rechts, nachdem Reform UK zuletzt Erfolge verbuchen konnte.

Der Norden als politisches Leitmotiv

Wer verstehen will, was Burnham antreibt, muss laut Beobachtern auch auf ein Buch schauen, das er 2024 gemeinsam mit Liverpools Bürgermeister Steve Rotheram veröffentlicht hat. Darin beschreiben beide nicht nur politische Ideen, sondern auch ein Grundgefühl vieler Menschen im Norden: den Abstand zu den Machtzentren in London.

Im Zentrum steht die Katastrophe von Hillsborough 1989. Bei dem Pokalspiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest starben damals 96 Fans nach einer Massenpanik. Für Burnham und Rotheram wurde der spätere Umgang mit der Tragödie zum Symbol dafür, wie tief die Kluft zwischen Nord und Süd im Vereinigten Königreich ist.

Hillsborough wirkt bis heute nach

Besonders eindringlich sind die Erinnerungen von Angehörigen. Jenni Hicks schildert die stundenlange Ungewissheit im Stadion von Sheffield, bis die schreckliche Wahrheit feststand: Ihre beiden Töchter kamen ums Leben. Trevor Hicks erinnert sich an die Befragungen nach dem Unglück und an eine Atmosphäre des Misstrauens. Angehörige und Fans seien früh unter Verdacht geraten, während Fehlentscheidungen der Polizei lange nicht im Mittelpunkt standen.

Genau aus dieser Erfahrung leitet Burnham offenbar einen politischen Auftrag ab. Er will den Norden stärken und den Abstand zu London verkleinern. Beim Labour-Parteitag wird sich zeigen, ob er daraus mehr machen kann als ein starkes Narrativ - nämlich ein Regierungsprojekt, das die Briten tatsächlich überzeugt.

Quelle: Tagesschau

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