Neue Warnung belastet Netanjahu
Ein neuer Bericht setzt Israels Premier Benjamin Netanjahu vor der Wahl unter Druck. Laut Recherchen soll Ägypten Israel schon Tage vor dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 vor einer Eskalation gewarnt haben.
Die Debatte um den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 holt Israel erneut ein. Auslöser ist ein Bericht des US-Magazins The Atlantic, dem zufolge Ägypten Israel schon vor dem Überfall vor einer gefährlichen Zuspitzung gewarnt haben soll. Für Premier Benjamin Netanjahu kommt die neue Recherche zur heiklen Zeit: Vor der anstehenden Wahl wächst der Druck, weil erneut die Frage im Raum steht, was die Regierung vor dem Angriff wusste.
Warnung aus Ägypten?
Laut dem Bericht soll Ägyptens damaliger Geheimdienstchef Abbas Kamel bereits elf Tage vor dem Angriff nach Israel gereist sein, um vor einer drohenden Eskalation zu warnen. Demnach habe sich sein Flugzeug 67 Minuten am Flughafen Ben Gurion aufgehalten. Ein genaues Datum für einen Angriff oder operative Einzelheiten soll die Warnung aber nicht enthalten haben. The Atlantic beruft sich dabei auf Regierungsvertreter aus Israel, Ägypten und weiteren arabischen Staaten sowie auf Vertreter in den USA und Europa.
Netanjahu weist die Darstellung weiter klar zurück. Schon kurz nach dem Angriff hatte er bestritten, von Ägypten gewarnt worden zu sein. Nach der neuen Veröffentlichung erklärte sein Büro erneut, die Behauptung sei falsch. Der Regierungschef habe Kamel weder getroffen noch mit ihm gesprochen, außerdem sei ihm keine entsprechende Geheimdienstwarnung weitergeleitet worden. The Atlantic berichtet allerdings, dass aus Ägypten noch bis zwei Tage vor dem Angriff weitere Hinweise gekommen sein sollen.
Vorwürfe reißen nicht ab
Der neue Bericht steht nicht allein. Bereits vor wenigen Wochen hatte die israelische Zeitung Haaretz gemeldet, dass es auch aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Warnungen gegeben habe, die ignoriert worden seien. Demnach soll der Präsident der Emirate, Mohammed bin Zayed, Netanjahu Ende September 2023 in einem Telefonat vor einem bevorstehenden Großangriff der Hamas gewarnt haben. Auch das wurde aus Netanjahus Umfeld entschieden bestritten, der Premier kündigte wegen des Berichts eine Verleumdungsklage an.
- Beim Hamas-Angriff wurden fast 1.200 Menschen getötet.
- Etwa 250 Geiseln wurden in den Gazastreifen verschleppt.
- Der anschließende Krieg forderte Zehntausende Tote, darunter viele Zivilisten.
Der Überfall und seine Vorgeschichte bleiben damit ein hochpolitisches Thema in Israel. Je mehr Berichte über mögliche Vorwarnungen auftauchen, desto stärker gerät Netanjahu unter Rechtfertigungsdruck. Eine zentrale Frage steht weiter unbeantwortet im Raum: Welche Signale lagen wirklich vor – und wie wurde damit umgegangen?
Quelle: Tagesschau






