Taiwan 2028 im Visier
Die China-Expertin Simona Grano warnt vor einem heiklen Jahr für Taiwan. Wegen stockender US-Waffenlieferungen und wachsendem Druck aus Peking könnte 2028 zur gefährlichen Zuspitzung werden.
Für Taiwan könnte es in wenigen Jahren ernst werden: Die Zürcher Sinologin Simona Grano sieht vor allem 2028 als kritischen Zeitpunkt. Dann wird sowohl in den USA als auch in Taiwan gewählt. Sollte in Taipeh erneut die China-kritische DPP regieren, könnte Peking das laut Grano als klare Provokation werten und den Druck massiv erhöhen.
Besonders heikel ist aus ihrer Sicht der Blick auf Washington. Ein Waffenpaket im Wert von rund 14 Milliarden Dollar liegt seit Monaten auf Eis. Offiziell wird das mit Engpässen wegen des Iran-Kriegs erklärt. Für Taiwan ist die Lage trotzdem brisant: Zwar verpflichtet der Taiwan Relations Act die USA dazu, der Insel Waffen zur Selbstverteidigung bereitzustellen. Doch die Verzögerung nährt Zweifel daran, wie verlässlich diese Zusage im Ernstfall wirklich ist.
Vertrauen sinkt, Druck steigt
Die Folgen sind bereits spürbar. Laut Grano haben aktuelle Umfragen ergeben, dass 47 Prozent der Menschen in Taiwan das Vertrauen in die USA verloren haben. Für die Insel ist diese Unsicherheit problematisch, weil sie mitten in einem Machtkampf zwischen Peking und Washington steht.
Gleichzeitig warnt die Expertin davor, einen militärischen Konflikt als unrealistisch abzutun. Ein direkter Angriff auf Taiwan wäre für China zwar riskant und sein Ausgang keineswegs sicher. Dennoch beobachtet Grano eine systematische Vorbereitung auf einen möglichen Ernstfall.
- massiver Ausbau militärischer Fähigkeiten
- Aufbau strategischer Rohstoffreserven
- umfangreiche Goldkäufe
- Analysen zum Umgang mit westlichen Sanktionen
- neues Gesetz zur nationalen Verteidigungsmobilisierung ab 1. Oktober
Konflikt mit globalen Folgen
Ein Krieg um Taiwan hätte nach Einschätzung Granos weitreichendere Folgen als der Ukraine-Krieg. Berechnungen gingen davon aus, dass die weltweite Wirtschaftsleistung schon im ersten Jahr um fast zehn Prozent einbrechen könnte. Genau deshalb gilt ein Angriff als so gefährlich – und genau deshalb schaut die Welt besonders aufmerksam auf die kommenden Jahre rund um Taiwan.
Quelle: SRF






