KI-Tool für Russland-Propaganda
Das US-Unternehmen Anthropic wirft russischen Akteuren vor, seinen KI-Assistenten Claude in der Zentralafrikanischen Republik für Desinformation und die Überwachung von Oppositionspolitikern genutzt zu haben.
Foto: Selbymay / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Ein neuer Bericht von Anthropic sorgt für Aufsehen: Das US-Unternehmen erklärt, sein KI-Assistent Claude sei in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, gezielt für prorussische Einflusskampagnen missbraucht worden. In dem September-Bericht zur Erkennung und Bekämpfung von KI-Missbrauch ist von Propaganda, Beobachtung der Opposition und Unterstützung von Desinformationskampagnen die Rede.
Propaganda per KI
Nach Darstellung von Anthropic soll Claude unter anderem dazu verwendet worden sein, Inhalte für „Radio Lengo Songo“ zu erstellen. Der Sender wird laut dem Recherchekollektiv „All Eyes on Wagner“ von Russland finanziert. Die ausgestrahlten Beiträge hätten ein klar prorussisches Bild gezeichnet, die Regierung der Zentralafrikanischen Republik und Kämpfer des Africa Corps positiv dargestellt und zugleich Frankreich sowie die Opposition angegriffen.
- Erstellung von Propaganda-Inhalten
- Sammlung von Informationen über Oppositionsfiguren
- Unterstützung von Desinformationskampagnen
Opposition im Visier
Laut dem Bericht wurden mehrere führende Köpfe der Opposition beobachtet, ihre Profile mithilfe der KI laufend ergänzt. Lou Osborn von „All Eyes on Wagner“, der an den Recherchen beteiligt war, sieht darin keine neue Methode, sondern eine Fortsetzung früherer Praktiken im Umfeld der Gruppe Wagner in dem Land. Er verweist darauf, dass Verhaftungen von Regimekritikern in der Vergangenheit von Kampagnen in Medien und im Radio begleitet worden seien.
Besonders brisant: Anthropic berichtet auch von einem Versuch, Claude dazu zu bringen, Oppositionspolitiker als bewaffnete Aktivisten darzustellen, um ein Vorgehen der Sicherheitskräfte auszulösen. Nach Angaben des Unternehmens habe der Assistent diese Anfrage jedoch abgelehnt. Offen bleibt in dem Bericht, welche konkreten Daten gesammelt wurden, wer sie erhielt und welche Oppositionspolitiker genau betroffen waren.
Für Teile der Opposition in Bangui bestätigt der Bericht den Verdacht, dass Regierung und russische Verbündete gezielt Druck auf Kritiker ausüben. Genannt wird in diesem Zusammenhang auch Faustin-Archange Touadéra, der seit 2016 Präsident der Zentralafrikanischen Republik ist.
Quelle: DW Deutsch






