Politik

Weinlese startet so früh wie nie

22. August 2026
Weinlese startet so früh wie nie

In mehreren Regionen der Schweiz hat die Weinlese bereits im Hochsommer begonnen. Winzer reagieren damit auf Hitze und Trockenheit, hoffen auf gute Qualität, rechnen aber mit kleineren Erträgen.

Die Weinlese in der Schweiz hat in diesem Jahr in vielen Regionen ungewöhnlich früh begonnen. Hintergrund ist die anhaltende Hitze, die die Reifung der Trauben beschleunigt. Winzer wollen damit unter anderem verhindern, dass die Weine zu alkoholreich und zu wuchtig werden – ein Stil, der laut Bericht heute deutlich weniger gefragt ist.

Im Tessin hat etwa Daniele Bettoni bereits mit der Lese begonnen, obwohl diese dort normalerweise erst gegen Ende August startet. Auch für Valerio Cimiotti von der Cantina di Giubiasco ist die Situation aussergewöhnlich: So früh seien Trauben im Tessin nach seiner Einschätzung noch nie geerntet worden. Die Wärme lasse den Betrieben kaum Spielraum.

Hitze als Risiko – und als Chance

Trotz der extremen Bedingungen fällt der Blick auf die Qualität nicht nur pessimistisch aus. Nora Dauphin-Viret, wissenschaftliche Beraterin beim Schweizerischen Weinbauernverband, verweist darauf, dass Reben mit Hitze und Trockenheit grundsätzlich vergleichsweise gut umgehen können. Dank ihrer tiefen Wurzeln holen sie Wasser auch aus tieferen Bodenschichten. Auch in Graubünden hoffen Winzer deshalb auf einen starken Jahrgang. Als Vergleich gilt der Hitzesommer 2003, dessen Weine sich rückblickend besser entwickelt hätten als damals befürchtet.

Wassermangel drückt auf die Menge

Grössere Sorgen macht vielen Betrieben die Erntemenge. Im Tessin wird nicht mit besonders hohen Erträgen gerechnet. Der Grund ist vor allem der Wassermangel, der in mehreren Weinregionen spürbar ist. In der Westschweiz müssen einzelne Rebflächen bereits täglich bewässert werden – vor allem dort, wo wenig Erde auf felsigem Untergrund liegt. Ohne zusätzliches Wasser, so schildert es ein Winzer aus dem Kanton Neuenburg, würden manche Reben stark leiden.

Auch im Vully im Kanton Freiburg zeigt sich die Belastung durch die Hitze: Dort bleiben die Beeren kleiner, und Wasserstress könnte die Weine kantiger wirken lassen. Klar ist aber auch: Die Schweizer Weinbranche reagiert nicht erst seit diesem Sommer auf den Klimawandel. Einige Betriebe testen bereits verschiedene Unterlagsreben, um ihre Rebberge widerstandsfähiger gegen Trockenperioden zu machen.

Quelle: SRF

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