Politik

Urteilstag für Ex-Präsident Thaci

16. September 2026
Urteilstag für Ex-Präsident Thaci

In Den Haag wird heute das Urteil gegen Hashim Thaci erwartet. Dem früheren Präsidenten des Kosovo drohen wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bis zu 45 Jahre Haft.

Foto: Wikimedia Commons / Robert D. Ward, Public domain

Heute richtet sich der Blick des Kosovo nach Den Haag: Vor dem Sondertribunal wird das Urteil gegen Hashim Thaci und drei weitere frühere Führungspersonen der inzwischen aufgelösten UCK erwartet. Für viele Kosovo-Albaner ist der Ex-Präsident bis heute eine Symbolfigur des Unabhängigkeitskampfs. In Pristina lief zuletzt sogar ein Countdown auf einem großen Bildschirm, während Tausende für einen Freispruch auf die Straße gingen.

Zwischen Freiheitsheld und Kriegsverbrecher

Die Anklage wirft Thaci Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Im Raum stehen unter anderem Mord, Folter und die Verfolgung von Zivilisten. Die Staatsanwaltschaft fordert 45 Jahre Haft. Der Prozess ist damit nicht nur für Thaci persönlich entscheidend, sondern auch für die politische Deutung eines Krieges, der den Kosovo bis heute prägt.

Wie tief die Wunden noch sind, zeigt das Schicksal vermisster Menschen aus der Zeit des Kosovokriegs 1998 und 1999. In einem Vorort von Pristina erinnert ein Mahnmal mit dem Wort „Missing“ an die Verschwundenen. Dort sucht auch eine Frau aus der serbischen Minderheit seit 27 Jahren nach Gewissheit über das Schicksal ihres Mannes. Sie vermutet, dass er nach einer Entführung an einem Checkpoint in ein Lager gebracht und dort getötet wurde.

Ein Urteil mit größerer Bedeutung

Der Fall reicht weit über die Person Thaci hinaus. Verhandelt wird auch die Frage, wie Verantwortung in einem Krieg verteilt wird, in dem 13.000 Menschen starben. Dem bewaffneten Aufstieg der UCK war eine jahrelange Eskalation vorausgegangen: 1989 entzog Belgrad dem Kosovo die Autonomierechte. Der zunächst friedliche Widerstand blieb erfolglos, später griff die UCK serbische Polizisten und Einrichtungen an. Die serbische Seite reagierte mit massiver Gewalt, auch gegen Zivilisten.

Das Urteil dürfte deshalb weit über den Gerichtssaal hinauswirken. Im Kosovo wird es von vielen als Entscheidung über einen Nationalhelden gesehen, für andere ist es ein möglicher Schritt hin zur Aufarbeitung von Verbrechen, die bis heute nicht vergessen sind.

Quelle: Tagesschau

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