Politik

Urteil schockt den Kosovo

17. September 2026
Urteil schockt den Kosovo

Das Sondertribunal in Den Haag hat Ex-Präsident Hashim Thaci wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt. In Pristina reagierten viele Menschen geschockt und wütend, in Serbien löste das Urteil ebenfalls Unmut aus.

Das Urteil aus Den Haag hat im Kosovo heftige Reaktionen ausgelöst: Das Sondertribunal sprach den früheren Präsidenten Hashim Thaci und drei weitere frühere UCK-Führungsfiguren wegen Kriegsverbrechen schuldig. Auf dem Skanderbeg-Platz in Pristina, wo Tausende die Entscheidung auf einer Großleinwand verfolgten, kippte die Stimmung nach der Verkündung von Schock in offene Wut.

Haftstrafen nach jahrelangem Prozess

Nach Angaben des Gerichts trugen die vier Angeklagten zwischen April 1998 und dem 20. Juni 1999 maßgeblich dazu bei, Menschen zu verfolgen, die als Gegner der kosovarischen Befreiungsarmee UCK galten. Betroffen waren demnach unter anderem Kosovo-Albaner, denen Zusammenarbeit mit serbischen Sicherheitskräften vorgeworfen wurde, sowie Roma und Serben.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer für 385 willkürliche Festnahmen, 49 Misshandlungen, 303 Folterfälle und 96 Tötungen verantwortlich sind. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe stets bestritten. Ihre Verteidigung kündigte Berufung an.

Wut in Pristina

Der Prozess hatte rund drei Jahre gedauert. In dieser Zeit wurden mehr als 370 Zeugen angehört und über 5400 Beweisstücke ausgewertet. Während viele Menschen in Pristina zunächst still reagierten, folgten bald Rufe nach Gerechtigkeit für die Verurteilten. Demonstranten versuchten nach dem Urteil, Absperrungen am Gelände der EULEX-Mission niederzureißen. Polizei und Spezialeinheiten verhinderten eine weitere Eskalation.

Auch politisch schlug die Entscheidung hohe Wellen. Mehrere Politiker im Kosovo zeigten sich empört über das Urteil. Außenminister Glauk Konjufca sprach von einem schweren Schlag für das Land und dessen Befreiungskrieg. Das Verfahren gegen die früheren UCK-Anführer bleibt damit nicht nur juristisch, sondern auch gesellschaftlich und politisch hoch explosiv.

Quelle: DW Deutsch

Mehr aus Politik

Laborantin tot: Streit um Lungenpest in Sibirien
Politik07. Oktober 2026

Laborantin tot: Streit um Lungenpest in Sibirien

Eine 28-jährige Mitarbeiterin eines Pest-Instituts bei Irkutsk ist gestorben, ein Lungenpestfall ist aber nicht bestätigt; WHO und USA fordern Aufklärung.

Kabinett beschließt Gesetz gegen digitale Gewalt
Politik07. Oktober 2026

Kabinett beschließt Gesetz gegen digitale Gewalt

Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf von Justizministerin Stefanie Hubig gegen digitale Gewalt beschlossen, nun berät der Bundestag darüber.

Koalitionsausschuss tagt nach drei Monaten Pause
Politik07. Oktober 2026

Koalitionsausschuss tagt nach drei Monaten Pause

Die Spitzen von Union und SPD beraten am Abend im Kanzleramt über den Reformkurs, die SPD verlangt Änderungen am Paket, Kanzler Friedrich Merz will die bisherige Linie halten.

Zwei Tote bei russischem Angriff auf Kiew
Politik07. Oktober 2026

Zwei Tote bei russischem Angriff auf Kiew

Bei einem nächtlichen russischen Luftangriff auf Kiew sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen.

Israel hält Schweigeminute zum 7. Oktober
Politik07. Oktober 2026

Israel hält Schweigeminute zum 7. Oktober

Drei Jahre nach dem Hamas-Überfall haben Menschen in Israel der Opfer gedacht, am Nova-Gedenkort bei Reim ab 6.29 Uhr Ortszeit mit einer Schweigeminute.

AfD-Mann Rausch wird Landtagspräsident in Magdeburg
Politik07. Oktober 2026

AfD-Mann Rausch wird Landtagspräsident in Magdeburg

In Sachsen-Anhalt steht erstmals in einem Bundesland ein AfD-Politiker an der Spitze des Landtags: Tobias Rausch wurde am 6. Oktober mit 48 Stimmen gewählt.