Politik

Taliban erhöhen Pass-Druck

23. September 2026
Taliban erhöhen Pass-Druck

Die Taliban setzen laut NDR-Recherchen mehrere EU-Staaten unter Druck, um eigene Diplomaten in Europa zu platzieren. Über die afghanische Botschaft in Berlin werden Reisepässe für Menschen aus Nachbarländern demnach nicht mehr bearbeitet.

Foto: isafmedia / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Die Taliban verschärfen nach Recherchen des NDR ihren Kurs gegenüber mehreren europäischen Staaten. Ihr Ziel: mehr eigene Diplomaten in Europa unterzubringen. Als Hebel dient offenbar der Zugang zu Reisepässen und anderen Konsulardokumenten, auf die viele Afghaninnen und Afghanen dringend angewiesen sind.

Berlin wird zum Nadelöhr

Vor der afghanischen Botschaft in Berlin ist der Andrang groß. Dort werden weiterhin wichtige Unterlagen wie Pässe, Geburtsurkunden oder Erbscheine ausgestellt. Möglich ist das laut Bericht, weil die Vertretung inzwischen faktisch von einem Taliban-Vertreter geführt wird, der direkten Kontakt nach Kabul hat. Bis vor wenigen Wochen reisten deshalb auch viele Afghanen aus Ländern wie Belgien, Frankreich, der Schweiz oder Österreich nach Berlin.

Doch damit ist Schluss: Wer nicht in Deutschland lebt, bekommt dort inzwischen keine Dokumente mehr. Der frühere Diplomat und Taliban-Gegner Hamid Kabiri wertet das als gezielten Druck - sowohl auf Betroffene als auch auf Regierungen in Europa, damit diese Taliban-nahe Konsularbeamte akzeptieren.

Vertretungen in anderen Ländern blockiert

In mehreren europäischen Hauptstädten werden afghanische Botschaften weiter von Diplomaten geführt, die noch vor der Machtübernahme im August 2021 entsandt wurden und als Gegner des Regimes gelten. Diese Vertretungen in

können laut Bericht aber keine Pässe und ähnlichen Dokumente mehr ausstellen, weil ihnen der Zugang aus Afghanistan abgeschnitten wurde.

Der afghanische Botschafter in Belgien, Nazifullah Salarzai, warnt vor den Folgen für Exil-Afghanen in Europa. Gerade konsularische Dokumente seien für den Alltag unverzichtbar. Nach seiner Einschätzung versuchen die Taliban seit 2021 systematisch, Auslandsvertretungen unter ihre Kontrolle zu bringen - und würden dafür auch administrative Mittel einsetzen.

Quelle: Tagesschau

Mehr aus Politik

Alarm aus Oleschky
Politik23. September 2026

Alarm aus Oleschky

In der russisch besetzten Stadt Oleschky im Süden der Ukraine wird vor einer Hungersnot gewarnt. Laut ukrainischer Militärverwaltung leben dort noch rund 6000 Menschen, darunter 180 Kinder, ohne Strom, Gas und verlässliche Lebensmittelversorgung.

200 Musiker feiern Demokratie
Politik22. September 2026

200 Musiker feiern Demokratie

Starnberg macht bei der Langen Nacht der Demokratie groß auf: Vom 1. bis 3. Oktober sind 15 Programmpunkte geplant. Ein Höhepunkt ist ein Konzert mit rund 200 Mitwirkenden in der Schlossberghalle.

Israel warnt Gaza scharf
Politik22. September 2026

Israel warnt Gaza scharf

Israels Verteidigungsminister droht mit der vollständigen Räumung der Stadt Gaza, falls erneut ein israelischer Staatsbürger in das Gebiet entführt wird. Parallel verschärfen sich auch der Druck auf Iran und die Lage im Jemen.

Neues Modell für Zivildienst
Politik22. September 2026

Neues Modell für Zivildienst

In Österreich hat sich die Koalition auf ein neues Zivildienst-Modell geeinigt. Bei einer Verlängerung auf elf Monate soll es drei Varianten geben, dazu ist eine verpflichtende Ausbildung geplant.

EU-Deal mit den Philippinen
Politik22. September 2026

EU-Deal mit den Philippinen

Die EU und die Philippinen haben sich grundsätzlich auf ein Freihandelsabkommen verständigt. Der Deal soll Zölle senken, den Marktzugang verbessern und Handel im Umfang von mehr als 27 Milliarden Euro stärken.

Tote nach Angriffen im Südosten
Politik22. September 2026

Tote nach Angriffen im Südosten

Bei russischen Angriffen auf mehrere ukrainische Industriestädte sind mindestens vier Menschen getötet und sechs weitere verletzt worden. Gleichzeitig meldet Russland massive ukrainische Drohnenattacken und den Abschuss von 297 Drohnen.