Politik

Taiwan probt Netz-Ausfall

15. August 2026
Taiwan probt Netz-Ausfall

Taiwan hat bei der Militärübung Han Kuang erstmals ein stark gedrosseltes Mobilfunknetz getestet. In Taipeh und anderen Regionen waren rund 70 Prozent der Bevölkerung von Alarmen, Schutzraum-Proben und massiven Internet-Einschränkungen betroffen.

Taiwan hat im Rahmen seiner jährlichen Militärübung „Han Kuang“ erstmals auch einen großflächigen Ausfall des mobilen Internets geprobt. Am Donnerstag wurde die Datenverbindung in Taipeh und weiteren Teilen Nordtaiwans stark verlangsamt, nachdem es bereits am Montag einen ähnlichen Test im Zentrum der Insel gegeben hatte. Die diesjährige Übung lief über zehn Tage und simuliert den Fall eines Angriffs durch die Volksrepublik China.

Alarm in Taipeh, Straßen plötzlich leer

Für viele Menschen in Taiwan gehören diese Übungen zwar längst zum Jahreskalender, doch der Test des Mobilfunknetzes war neu. Während Festnetz und WLAN weiter funktionierten, waren datenintensive Dienste mobil kaum noch nutzbar. Videoanrufe, Streaming und auch mobile Bezahldienste funktionierten praktisch nicht mehr, auch Clips in sozialen Netzwerken luden nur noch sehr schwer.

Parallel dazu ertönten in Taipeh Luftalarm und öffentliche Durchsagen, außerdem gingen Warnmeldungen auf Mobiltelefonen ein. Die Polizei wies Passantinnen und Passanten in Schutzräume ein, Autos und Busse stoppten am Straßenrand. Während des etwa 30-minütigen Alarms wirkte die Hauptstadt zeitweise nahezu ausgestorben.

Übung für den Ernstfall

Die Tests am Montag und Donnerstag fanden in 14 Städten und Bezirken im Norden und Zentrum des Landes statt. Nach Angaben der Behörden waren damit rund 70 Prozent der 23 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner betroffen. Ziel war es, die Bevölkerung darauf vorzubereiten, im Notfall alternative Kommunikationswege zu nutzen und die zivile Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Präsident Lai Ching-te informierte sich am Donnerstag in einer zur Notunterkunft umfunktionierten Tiefgarage in Neu-Taipeh sowie in einem Supermarkt über die Versorgung im Krisenfall. Begleitet wurde er von Diplomaten aus den USA, Israel und Kanada. Chinas Verteidigungsministerium reagierte am Freitag mit scharfer Kritik und sprach von einer „sinnlosen Farce“.

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