Musik & Film

So ungleich fördert die Schweiz

29. September 2026
So ungleich fördert die Schweiz

Eine neue Auswertung vergleicht erstmals die Musikförderung in sechs großen Schweizer Städten. Besonders auffällig: In Zürich gibt es pro Kopf 10.20 Franken für Pop, in Genf 43.50 Franken.

Foto: Tschubby / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Wie verteilt die Schweiz ihr Musikgeld? Eine Recherche der Musikvielfalts-Initiative macht genau das erstmals über mehrere Städte hinweg vergleichbar – und zeigt teils massive Unterschiede. Im Fokus stehen sechs große Städte aus der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin. Die Fördergelder wurden dafür auf Pro-Kopf-Werte umgerechnet.

Besonders auffällig ist der Vergleich bei der Popförderung: Während Zürich pro Kopf 10.20 Franken ausgibt, liegt Genf bei 43.50 Franken. Laut der Auswertung ist die Westschweiz bei der Musikförderung insgesamt großzügiger. Neu ist dabei weniger, dass es Unterschiede gibt – sondern dass diese nun direkt nebeneinanderliegen und damit deutlich greifbarer werden.

Viel Geld für große Häuser

Auch bei einzelnen Institutionen werden die Dimensionen sichtbar: Das Opernhaus in Zürich erhielt 2024 allein vom Kanton 71 Millionen Franken. Das Grand Théâtre de Genève kam durch Beiträge von Stadt und Kanton auf rund 44 Millionen Franken. Zum Vergleich: Der Lausanner Musikclub Les Docks wurde mit 953'000 Franken unterstützt.

Dass Oper und Klassik mehr öffentliche Mittel erhalten als Rock- und Popclubs, ist laut Bericht zwar keine Überraschung. Brisant bleibt aber, wie stark diese Verteilung ausfällt. In den untersuchten Städten fließt der größte Teil der öffentlichen Musikförderung in die Sparte Klassik – je nach Stadt zwischen 76 und 95 Prozent des Gesamtbudgets.

Kaum Spielraum bei den Fördertöpfen

Ein weiterer Punkt der Recherche: Ein sehr großer Teil der Mittel ist langfristig gebunden. Oft werden mehr als 80 Prozent, teils über 90 Prozent über mehrjährige Leistungsverträge an dieselben Institutionen vergeben. Das schafft Planungssicherheit – schränkt aber den Spielraum für neue Projekte deutlich ein.

Das Initiativkomitee betont dabei, es gehe nicht darum, Musikrichtungen gegeneinander auszuspielen. Die Veröffentlichung formuliere auch keine konkreten Forderungen. Ihr Wert liegt vor allem darin, die Verteilung der öffentlichen Musikgelder erstmals in einer Form sichtbar zu machen, die den Vergleich zwischen den Städten erlaubt.

Quelle: SRF

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