Politik

Kurden geben Armee auf

27. August 2026
Kurden geben Armee auf

In Syrien hat Kurdenführer Maslum Abdi die Auflösung der SDF verkündet. Die kurdisch dominierten Kräfte werden in die syrische Armee integriert – ein großer Schritt, der laut Expertin aber politische Autonomie kostet.

Nach mehr als einem Jahrzehnt ist in Syrien ein folgenreicher Schritt vollzogen worden: Kurdenführer Maslum Abdi hat in Damaskus die Auflösung der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) als eigenständige Streitmacht bekanntgegeben. Die Rede wurde im Fernsehen übertragen und markiert die Umsetzung eines Abkommens, das bereits im Jänner 2026 mit der Regierung von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa geschlossen worden war.

Kern des Deals: Die kurdisch geprägten Strukturen im Nordosten Syriens werden in den syrischen Staat eingegliedert. Das betrifft nicht nur die SDF, sondern auch die bisherige Selbstverwaltung in den kurdisch bewohnten Gebieten. Syrische Sicherheitskräfte sollen dort stationiert werden. Abdi erklärte, die Lage im Land habe sich verändert und Syrien befinde sich nun in einer neuen Phase.

Großer Schritt mit Preis

Für die Politologin und Syrien-Expertin Bente Scheller ist der Schritt enorm. Gegenüber ORF.at spricht sie von einem „wirklich großen Schritt“ für die Kurden. Mit der Einbindung in den Staatsapparat sei syrischen Kurden nun endlich ermöglicht worden, ihre Staatsbürgerschaft zurückzuerlangen. Viele von ihnen hatten diese bereits in den 1960er Jahren verloren. Außerdem werde Kurdisch als zweite Amtssprache anerkannt.

Viele Fragen bleiben offen

Ganz ohne Beigeschmack ist die Entwicklung aber nicht. Scheller verweist darauf, dass mit der militärischen Integration auch politische Autonomie verloren gehe. Unklar sei, welchen Status die kurdischen Provinzen künftig genau haben werden. Zwar seien die zugesagten Rechte weiterreichend als alles, was es zuvor gegeben habe, doch sie haben bislang keinen Verfassungsrang. Genau dort liege aus Sicht der Expertin der entscheidende nächste Schritt.

Kritisch sieht Scheller auch die Folgen für Frauenrechte. Demnach konnte die Integration der Frauenbataillone der SDF in die syrische Armee nicht durchgesetzt werden. Gerade dieser Teil sei für das kurdische Projekt besonders wichtig gewesen. Damit bleibt unter dem politischen Neubeginn in Syrien auch ein deutlicher Verlust sichtbar.

Quelle: ORF

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