Politik

Kiew rüstet sich für den Winter

16. August 2026
Kiew rüstet sich für den Winter

In Kiew bereiten sich viele Menschen schon Monate vor dem Winter auf mögliche Ausfälle vor. Ein Café-Betreiberpaar denkt wegen der russischen Angriffe über Solarpanele, Kredit und sogar den Umzug in die Datscha nach.

Der Winter ist in der Ukraine noch nicht da, doch in Kiew bestimmt er bereits den Alltag vieler Menschen. Grund sind die anhaltenden russischen Luftangriffe, die die Sorge vor einer noch schwierigeren kalten Jahreszeit wachsen lassen. Besonders deutlich wird das bei Natalia und Maksim, die mitten im Krieg ein kleines Café im Zentrum der Hauptstadt eröffnet haben.

Ihr Arbeitstag beginnt früh: Schon gegen vier Uhr stehen sie auf, ab sechs Uhr wird Teig für Croissants, Teilchen und anderes Gebäck vorbereitet. Doch der Betrieb läuft unter harten Bedingungen. Geld ist knapp, die Nächte werden durch Angriffe unterbrochen, und beschädigte Gebäude in ihrer Straße haben auch wirtschaftliche Folgen. Weil dort vor allem Büros getroffen wurden und viele Firmen weggezogen sind, bleiben heute spürbar weniger Kunden.

Alltag zwischen Backstube und Alarm

Trotzdem machen die beiden weiter. Viele Gäste seien dankbar, dass das Café offen bleibt und man sich gegenseitig unterstützt. Gleichzeitig hat der Krieg tiefe Spuren hinterlassen. Die Menschen in der Hauptstadt gelten als erschöpft, viele versuchen, sich auf Arbeit und Familie zu konzentrieren, statt jede neue Meldung zu verfolgen. Bei Alarm bleibt oft nur wenig Zeit zum Reagieren.

Vorsorge statt Hoffnung

Mit Blick auf den kommenden Winter setzen Natalia und Maksim vor allem auf eigene Vorbereitung. Die Hoffnung auf Hilfe aus den USA haben sie nach eigenen Angaben verloren. Maksim glaubt eher daran, dass die ukrainische Rüstungsindustrie selbst ein System entwickeln könnte, das auch ballistische Raketen abwehren kann. Für den Alltag planen die beiden nun ganz praktisch: Sie denken über einen Kredit für Solarpanele nach, um beim Strom unabhängiger zu sein.

Und falls im Winter auch Wasser knapp wird, haben sie bereits einen Notplan: Dann wollen sie in ihre Datscha ziehen. Mit dieser Mischung aus Erschöpfung, Pragmatismus und Vorsorge stehen sie in Kiew nicht allein. Für viele Menschen ist genau das derzeit die einzige Möglichkeit, mit der ständigen Bedrohung umzugehen.

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