Politik

Junta unter Druck in Niger

01. September 2026
Junta unter Druck in Niger

Nach einem gescheiterten Umsturzversuch in Niger wächst der Druck auf die Militärjunta um General Abdourahamane Tiani. Experten verweisen auf Frust in der Armee, schlechte Bezahlung und Probleme bei Ausrüstung und Logistik.

Nach dem gescheiterten Aufstandsversuch in Niamey steht Nigers Militärregierung stärker unter Druck. In der Hauptstadt patrouillierten nach den Ereignissen Militärfahrzeuge, nachdem Teile der Armee am 29. August zeitweise die Luftwaffenbasis 101 am internationalen Flughafen übernommen hatten. Ihr Ziel soll es gewesen sein, weiter zum Präsidentenpalast und zum staatlichen Rundfunk vorzustoßen. Die Regierung spricht von einer Meuterei, mehrere Experten bewerten den Vorfall jedoch als klaren Putschversuch.

Frust wächst in den Streitkräften

Im Zentrum der Kritik steht die Führung von General Abdourahamane Tiani, der selbst im Juli 2023 durch einen Staatsstreich gegen den gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum an die Macht kam. Die Junta rechtfertigt ihre Herrschaft vor allem mit dem Kampf gegen dschihadistische Gewalt. Doch genau dieses Versprechen gerät nun ins Wanken, weil die Sicherheitslage weiter angespannt bleibt und selbst Niamey in diesem Jahr mehrfach attackiert wurde.

Experten sehen mehrere Gründe für die Unruhe in der Armee. Genannt werden vor allem miserable Bezahlung, gefährliche Einsätze und eine schlechte Versorgung der Soldaten. Laut Sahelexperte Abdoulaye Sunaye verdient die große Mehrheit der Soldaten nicht einmal 150 Euro im Monat und muss davon oft mehrere Angehörige mitversorgen. Dazu kommen Probleme bei Ausrüstung, Logistik und Truppenbewegungen in dem riesigen Land.

Präsidentengarde im Fokus

Als möglicher Auslöser des Aufstands gilt laut Beobachtern auch die Bevorzugung der Präsidentengarde gegenüber regulären Einheiten an der Front. Der Frust darüber sei in den Streitkräften gewachsen.

Damit zeigt sich das Grundproblem der Junta: Sie ist auf besonders loyale Kräfte zum Machterhalt angewiesen, darf aber den Rückhalt der regulären Armee nicht verlieren. Zusätzliche Brisanz bekommt die Lage durch die Rolle des russischen Afrikakorps, das nach dem Umbau der früheren Wagner-Strukturen einen wichtigen Teil russischer Aktivitäten in Afrika übernommen hat.

Quelle: DW Deutsch

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