Politik

Iran greift nach Cafés

10. September 2026
Iran greift nach Cafés

In Teheran gehen die Behörden verstärkt gegen Cafés vor. Laut HRANA wurden im Juli mindestens sieben Lokale geschlossen, weil Besucherinnen die Hidschab-Pflicht missachtet haben sollen.

Foto: SVG file: SiBr 4 Designer: Hamid Nadimi Construction: ISIRI / Wikimedia Commons, Public domain

In Teheran geraten Cafés immer stärker ins Visier der Sicherheitsbehörden. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation HRANA wurden allein im Juli mindestens sieben Kaffeehäuser geschlossen. Der Vorwurf: Besucherinnen hätten sich nicht an die vorgeschriebene Hidschab-Regel gehalten. Im Iran müssen Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen, auch wenn sich viele inzwischen nicht mehr daran halten.

Cafés gelten als heikle Treffpunkte

Dem Vorgehen war eine öffentliche Kampagne vorausgegangen. Die Zeitung „Javan“, die den Revolutionsgarden nahesteht, stellte Cafés als Treffpunkte unzufriedener Bürger dar und bezeichnete sie als Risiko für die nationale Sicherheit. Die Behörden befürchten offenbar, dass solche Orte eine Rolle bei der Organisation von Protesten spielen könnten. Gerade für die junge Bevölkerung sind Cafés jedoch beliebt — im Iran liegt das Durchschnittsalter bei 34,5 Jahren.

Zuletzt traf es unter anderem die Cafés im Vanak Park in Teheran. Dort verloren laut Bericht mindestens 200 Menschen ihre Jobs. Auch die Kette Saediniya musste ihre zehn Filialen im Iran nach einem Gerichtsbeschluss schließen. Ihr Eigentümer Sadegh Saedinia wurde vom Obersten Gerichtshof zu zwölf Jahren und sechs Monaten Haft sowie zur Einziehung seines Vermögens verurteilt. Ihm wird vorgeworfen, regierungskritische Proteste unterstützt zu haben.

Mehr als nur Kaffee

Die Zahl der Cafés in Teheran ist in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen: von rund 300 Anfang der 2010er Jahre auf heute bis zu 4000. Fachleute sehen darin nicht nur einen Wirtschaftsboom, sondern auch ein Zeichen für einen veränderten urbanen Lebensstil. Die Psychologin und Psychoanalytikerin Saba Alaleh beschreibt Cafés als Zwischenräume neben Wohnung und Arbeit — Orte, an denen Menschen kurz Abstand vom Druck des Alltags gewinnen und soziale Nähe erleben können. Genau diese Funktion macht sie für viele attraktiv und für den Staat offenbar verdächtig.

Quelle: DW Deutsch

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