Politik

Großrazzia schockt Queer-Szene

15. September 2026
Großrazzia schockt Queer-Szene

In der Türkei sind am Wochenende bei landesweiten Razzien gegen LGBTQ-Vereine, Bars und Clubs laut Justizminister Maßnahmen gegen 162 Menschen gelaufen. NGOs sprechen vom bislang größten Vorgehen gegen die Community.

Foto: Wikimedia Commons / Artyom Svetlov, CC BY-SA 4.0

Nach den groß angelegten Polizeieinsätzen vom Wochenende steht die LGBTQ-Community in der Türkei unter Schock – und zugleich auf Trotz. Nach Angaben des Justizministers richtete sich das Vorgehen gegen 162 Menschen. Betroffen waren nicht nur Bars, Clubs und Unternehmen, sondern auch Vereine und Initiativen, die sich für die Rechte queerer Menschen einsetzen. Durchsuchungen gab es unter anderem in Istanbul, Ankara, Izmir und Antalya.

NGOs sprechen von historischem Vorgehen

Besonders hart traf es die Initiative Kaos GL. Dort wurden laut dem Aktivisten Yildiz Tar die Büros durchsucht und mindestens zehn Mitarbeitende festgenommen. Tar war selbst erst im Juli kurzzeitig in Haft. Warum die Behörden gerade jetzt so massiv zuschlagen, könne sich in der Community kaum jemand erklären. Der Vorwurf der Unmoral, der immer wieder mitschwinge, sei für viele nur ein Vorwand, während es in Wahrheit um die Würde und Sichtbarkeit queerer Menschen gehe.

Die Staatsanwaltschaft führt unter anderem Vorwürfe wie Obszönität, Drogenbesitz, Prostitution und die Gründung eines Vereins zur Begehung einer Straftat an. Öffentliche Belege dafür wurden laut Bericht bislang nicht vorgelegt. Zugleich wird behauptet, junge Menschen würden durch LGBTQ-"Propaganda" beeinflusst und die Familie werde dadurch bedroht.

Kritik an Erdogans Kurs

Menschenrechtsorganisationen werten das Vorgehen als gezielte Kriminalisierung. Human Rights Watch spricht vom bisher größten Schlag gegen die Community in der Türkei. Homosexualität ist dort zwar nicht verboten, offen queere Menschen erleben aber immer wieder gesellschaftliche Anfeindungen. Kritiker verweisen auch auf die Rhetorik von Präsident Recep Tayyip Erdogan, der sich in der Vergangenheit wiederholt abfällig über LGBTQ-Menschen geäußert hat.

Trotz der Einschüchterung wollen viele Initiativen nicht klein beigeben. Für Dienstag ist in Istanbul eine Demonstration angekündigt. Neben Angst und Fassungslosigkeit gibt es in der Community und bei Unterstützern damit auch ein klares Signal: Rückzug ist für viele keine Option.

Quelle: Tagesschau

Mehr aus Politik

Laborantin tot: Streit um Lungenpest in Sibirien
Politik07. Oktober 2026

Laborantin tot: Streit um Lungenpest in Sibirien

Eine 28-jährige Mitarbeiterin eines Pest-Instituts bei Irkutsk ist gestorben, ein Lungenpestfall ist aber nicht bestätigt; WHO und USA fordern Aufklärung.

Kabinett beschließt Gesetz gegen digitale Gewalt
Politik07. Oktober 2026

Kabinett beschließt Gesetz gegen digitale Gewalt

Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf von Justizministerin Stefanie Hubig gegen digitale Gewalt beschlossen, nun berät der Bundestag darüber.

Koalitionsausschuss tagt nach drei Monaten Pause
Politik07. Oktober 2026

Koalitionsausschuss tagt nach drei Monaten Pause

Die Spitzen von Union und SPD beraten am Abend im Kanzleramt über den Reformkurs, die SPD verlangt Änderungen am Paket, Kanzler Friedrich Merz will die bisherige Linie halten.

Zwei Tote bei russischem Angriff auf Kiew
Politik07. Oktober 2026

Zwei Tote bei russischem Angriff auf Kiew

Bei einem nächtlichen russischen Luftangriff auf Kiew sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen.

Israel hält Schweigeminute zum 7. Oktober
Politik07. Oktober 2026

Israel hält Schweigeminute zum 7. Oktober

Drei Jahre nach dem Hamas-Überfall haben Menschen in Israel der Opfer gedacht, am Nova-Gedenkort bei Reim ab 6.29 Uhr Ortszeit mit einer Schweigeminute.

AfD-Mann Rausch wird Landtagspräsident in Magdeburg
Politik07. Oktober 2026

AfD-Mann Rausch wird Landtagspräsident in Magdeburg

In Sachsen-Anhalt steht erstmals in einem Bundesland ein AfD-Politiker an der Spitze des Landtags: Tobias Rausch wurde am 6. Oktober mit 48 Stimmen gewählt.