Freispruch im Fall Galizia
Im Mordfall Daphne Caruana Galizia hat eine Jury in Malta den Unternehmer Yorgen Fenech freigesprochen. Fast neun Jahre nach dem Autobomben-Anschlag bleibt damit offen, wer den Mord an der Journalistin in Auftrag gab.
Foto: CAPTAIN RAJU / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Im Fall der ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia gibt es eine überraschende Wendung: Eine Jury in Valletta hat den Unternehmer Yorgen Fenech vom Vorwurf freigesprochen, hinter dem Anschlag gesteckt zu haben. Der 44-Jährige wurde sowohl vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord als auch von der Beteiligung an einer kriminellen Verschwörung entlastet. Das Votum der Geschworenen fiel mit 8 zu 1 deutlich aus.
Damit bleibt auch fast neun Jahre nach dem Attentat weiter ungeklärt, wer den Mord an der Investigativjournalistin tatsächlich in Auftrag gegeben haben soll. Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 in der Nähe ihres Hauses durch eine Autobombe getötet worden. Die 53-Jährige hatte sich in ihrer Arbeit intensiv mit Korruption in Politik und Wirtschaft auf Malta beschäftigt. Der Fall erschütterte den kleinen EU-Staat weit über seine Grenzen hinaus.
Mehrere Täter verurteilt, Auftraggeber weiter offen
Zwar wurden in dem Komplex bereits mehrere Beteiligte schuldig gesprochen, die zentrale Frage nach dem mutmaßlichen Drahtzieher ist aber weiter unbeantwortet. Bereits verurteilt wurden:
- drei Auftragsmörder, darunter zwei Brüder,
- zwei weitere Männer, die nach Gerichtsauffassung die Bombe lieferten.
Die Haftstrafen reichen von 15 Jahren bis lebenslang.
Ermittlungen lösten politische Krise aus
Fenech war im November 2019 festgenommen worden, als er mit seiner Jacht aus einem Hafen auslief. Die Anklage stützte sich vor allem auf Aussagen seines Chauffeurs Melvin Theuma, der nach eigenem Geständnis als Vermittler fungiert haben soll und dafür eine Begnadigung erhielt. Laut Theuma soll Fenech ihm 150.000 Euro gezahlt haben; untermauert wurde das mit Aufzeichnungen und Textnachrichten.
Brisant war der Fall auch politisch: Die Festnahme und Hinweise auf mögliche Verbindungen in höchste Regierungskreise führten Ende 2019 zu Protesten im ganzen Land. Dem damaligen Regierungschef Joseph Muscat wurde vorgeworfen, Vertraute schützen zu wollen; er trat Anfang 2020 zurück. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2021 kam zudem zu dem Schluss, dass die Regierung ein Klima geschaffen habe, in dem die Täter sich sicher fühlen konnten. Fenech selbst hatte eingeräumt, von Mordplänen gewusst zu haben, bestritt aber, der Auftraggeber zu sein.
Quelle: Tagesschau






