Politik

Druck bei Familiennachzug wächst

17. September 2026
Druck bei Familiennachzug wächst

In Deutschland wächst der Widerstand gegen die Aussetzung des Familiennachzugs für subsidiär Schutzberechtigte. Während die Union an dem Kurs festhält, kommt Kritik aus Forschung und auch aus der Koalition.

Foto: dronepicr / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Die Debatte um den ausgesetzten Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte wird schärfer. Seit mehr als einem Jahr können viele Betroffene ihre engsten Angehörigen nicht mehr regulär nach Deutschland holen. Für Familien bedeutet das oft jahrelange Trennung – obwohl Anträge teils schon liefen, bevor die Regelung 2025 gestoppt wurde.

Wie hart das die Menschen trifft, zeigt der Fall der kleinen Youlia. Das gehörlose Mädchen floh mit seinem Vater aus Syrien nach Deutschland und lebt seit Ende 2022 in Braunschweig. Dort bekam sie die dringend nötige Operation und ein Implantat, kann inzwischen hören und lernt sprechen. Doch ihre Mutter und die beiden Brüder sitzen weiter in Syrien fest. Der Nachzugsantrag der Familie läuft seit 2023 – entschieden wurde darüber nicht mehr.

Union will harten Kurs halten

Vor allem die CDU/CSU hatte die Aussetzung vorangetrieben. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm, verteidigt den Schritt mit Verweis auf die hohe Belastung der Gesellschaft in den vergangenen Jahren. Offiziell ist die Maßnahme auf zwei Jahre begrenzt und würde im Sommer 2027 automatisch auslaufen. Aus Unionskreisen ist aber bereits zu hören, dass eine Verlängerung als Signal gegen irreguläre Migration gewünscht sein könnte.

Kritik aus Forschung und Politik

Widerspruch kommt aus der Migrationsforschung. David Schiefer vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung hält das Argument, die Aussetzung bremse illegale Migration, für nicht überzeugend. Aus seiner Sicht ist damit vielmehr ein wichtiger legaler Weg nach Deutschland weggefallen. Denn schon vor dem Stopp war der Familiennachzug streng begrenzt und stark kontrolliert.

Damit wächst nun nicht nur der Druck von Betroffenen, sondern auch die politische Kritik an der Regelung. Die Frage, ob der Familiennachzug 2027 tatsächlich zurückkehrt oder erneut blockiert wird, dürfte deshalb in den kommenden Monaten noch brisanter werden.

Quelle: Tagesschau

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