Politik

Brasilien vor Richtungswahl

25. September 2026
Brasilien vor Richtungswahl

In Brasilien entscheidet sich am 4. Oktober mehr als nur ein Machtwechsel: Präsident Lula und Flávio Bolsonaro stehen in Umfragen gleichauf. Die Wahl könnte das Land außenpolitisch näher an die USA oder auf seinem bisherigen Kurs halten.

Foto: Wikimedia Commons / Ricardo Stuckert/PR, CC BY 3.0 br

Brasilien steht vor einer Wahl mit internationaler Sprengkraft. Am 4. Oktober tritt Flávio Bolsonaro gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva an, und laut Umfragen liegen beide auf Augenhöhe. Für das fünftgrößte Land der Erde geht es dabei nicht nur um Innenpolitik, sondern auch um die Frage, welchen außenpolitischen Kurs Brasília künftig einschlägt.

Zuletzt hatte Lula bei der Eröffnung der UN-Generalversammlung in New York einen selbstbewussten Ton gesetzt. Er machte klar, dass Brasilien sich nicht als Einflusszone einer anderen Macht versteht. Hintergrund sind wiederholte Einmischungen von US-Präsident Donald Trump, der das rechte Lager um Jair Bolsonaro unterstützt und mit Sanktionen sowie Strafzöllen Druck ausübte.

USA oder multilateraler Kurs?

Im Wahlkampf spielt Außenpolitik für viele Wähler zwar nur eine Nebenrolle. Dennoch steht viel auf dem Spiel. Lula wirbt für mehr Multilateralismus und setzt auf Beziehungen in viele Richtungen. Das passt zur traditionellen brasilianischen Diplomatie – und auch zur wirtschaftlichen Realität, denn China ist längst Brasiliens wichtigster Handelspartner.

Flávio Bolsonaro verfolgt dagegen einen deutlich konservativeren außenpolitischen Ansatz und strebt eine engere Allianz mit den USA an. Auch ein bilaterales Handelsabkommen mit Washington gehört zu seinen Zielen. Beobachter warnen allerdings, dass ein Wahlsieg nicht automatisch stabilere Beziehungen zu den USA bedeuten würde.

Zweifel an Bolsonaros Kurs

Der Politologe Leonardo Paz von der Fundação Getúlio Vargas verweist darauf, dass Lula trotz Reibungen ein weitgehend normales Verhältnis zu Trump aufgebaut habe. Ein Präsident Flávio Bolsonaro könnte dem US-Partner dagegen zu weit entgegenkommen. Als Beispiel gilt die Zeit seines Vaters Jair Bolsonaro, in der Brasilien bei der Welthandelsorganisation den Status als Entwicklungsland aufgab – im Gegenzug für Zusagen einer Annäherung an NATO und OECD, die laut Bericht nie erfüllt wurden.

Auch Ex-Diplomat Rubens Ricupero sieht klare Unterschiede: Lula bringe außenpolitisches Gewicht und Erfahrung mit, während Flávio Bolsonaro auf internationalem Parkett als unerfahren gilt. Genau deshalb wird diese Wahl weit über Brasilien hinaus aufmerksam verfolgt.

Quelle: DW Deutsch

Mehr aus Politik

Neue Gefahr in der Ägäis
Politik25. September 2026

Neue Gefahr in der Ägäis

Zwischen Griechenland und der Türkei verschärft sich der Streit in der Ägäis. Beide Seiten werfen sich Provokationen vor, während Athen mit einem milliardenschweren Rüstungsdeal auf Abschreckung setzt.

Eklat bei Netanjahus UN-Rede
Politik25. September 2026

Eklat bei Netanjahus UN-Rede

Bei der UN-Generaldebatte in New York haben Dutzende Diplomaten kurz vor der Rede von Israels Premier Benjamin Netanjahu den Saal verlassen. Der Regierungschef reagierte scharf, verteidigte den Iran-Angriff und den Krieg in Gaza.

Ermittlungen gegen 105-Jährigen
Politik24. September 2026

Ermittlungen gegen 105-Jährigen

Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt gegen einen 105-jährigen ehemaligen Wachmann des NS-Kriegsgefangenenlagers Senne bei Stukenbrock. Ihm wird Beihilfe zum vielfachen Mord vorgeworfen.

Wien trotzt dem Mieten-Schock
Politik24. September 2026

Wien trotzt dem Mieten-Schock

In Wien setzt die Stadt seit mehr als 100 Jahren auf kommunalen Wohnungsbau. Rund 220.000 Gemeindewohnungen bieten etwa einer halben Million Menschen vergleichsweise günstige Mieten.

Tigray-Konflikt eskaliert erneut
Politik24. September 2026

Tigray-Konflikt eskaliert erneut

Im Norden Äthiopiens sind die Kämpfe in der Region Tigray wieder massiv aufgeflammt. Beobachter warnen vor einem neuen Krieg mit Folgen über Äthiopien hinaus, nachdem schon 2022 laut Afrikanischer Union mindestens 600.000 Menschen starben.

Trump rollt Xi den Teppich aus
Politik24. September 2026

Trump rollt Xi den Teppich aus

US-Präsident Donald Trump hat Chinas Staatschef Xi Jinping in Washington mit großem Staatsbesuch-Empfang begrüßt. Trotz Streit über Handel, KI und Taiwan setzten beide Seiten zunächst auf demonstrative Freundschaft - inklusive neuer Panda-Geste.