Brasilien vor Richtungswahl
In Brasilien entscheidet sich am 4. Oktober mehr als nur ein Machtwechsel: Präsident Lula und Flávio Bolsonaro stehen in Umfragen gleichauf. Die Wahl könnte das Land außenpolitisch näher an die USA oder auf seinem bisherigen Kurs halten.
Foto: Wikimedia Commons / Ricardo Stuckert/PR, CC BY 3.0 br
Brasilien steht vor einer Wahl mit internationaler Sprengkraft. Am 4. Oktober tritt Flávio Bolsonaro gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva an, und laut Umfragen liegen beide auf Augenhöhe. Für das fünftgrößte Land der Erde geht es dabei nicht nur um Innenpolitik, sondern auch um die Frage, welchen außenpolitischen Kurs Brasília künftig einschlägt.
Zuletzt hatte Lula bei der Eröffnung der UN-Generalversammlung in New York einen selbstbewussten Ton gesetzt. Er machte klar, dass Brasilien sich nicht als Einflusszone einer anderen Macht versteht. Hintergrund sind wiederholte Einmischungen von US-Präsident Donald Trump, der das rechte Lager um Jair Bolsonaro unterstützt und mit Sanktionen sowie Strafzöllen Druck ausübte.
USA oder multilateraler Kurs?
Im Wahlkampf spielt Außenpolitik für viele Wähler zwar nur eine Nebenrolle. Dennoch steht viel auf dem Spiel. Lula wirbt für mehr Multilateralismus und setzt auf Beziehungen in viele Richtungen. Das passt zur traditionellen brasilianischen Diplomatie – und auch zur wirtschaftlichen Realität, denn China ist längst Brasiliens wichtigster Handelspartner.
Flávio Bolsonaro verfolgt dagegen einen deutlich konservativeren außenpolitischen Ansatz und strebt eine engere Allianz mit den USA an. Auch ein bilaterales Handelsabkommen mit Washington gehört zu seinen Zielen. Beobachter warnen allerdings, dass ein Wahlsieg nicht automatisch stabilere Beziehungen zu den USA bedeuten würde.
Zweifel an Bolsonaros Kurs
Der Politologe Leonardo Paz von der Fundação Getúlio Vargas verweist darauf, dass Lula trotz Reibungen ein weitgehend normales Verhältnis zu Trump aufgebaut habe. Ein Präsident Flávio Bolsonaro könnte dem US-Partner dagegen zu weit entgegenkommen. Als Beispiel gilt die Zeit seines Vaters Jair Bolsonaro, in der Brasilien bei der Welthandelsorganisation den Status als Entwicklungsland aufgab – im Gegenzug für Zusagen einer Annäherung an NATO und OECD, die laut Bericht nie erfüllt wurden.
- Termin: Wahl am 4. Oktober
- Duell: Lula gegen Flávio Bolsonaro
- Kernfrage: Nähe zu den USA oder Fortsetzung eines breiteren außenpolitischen Kurses
Auch Ex-Diplomat Rubens Ricupero sieht klare Unterschiede: Lula bringe außenpolitisches Gewicht und Erfahrung mit, während Flávio Bolsonaro auf internationalem Parkett als unerfahren gilt. Genau deshalb wird diese Wahl weit über Brasilien hinaus aufmerksam verfolgt.
Quelle: DW Deutsch






