Politik

Blutnacht in Haiti

26. August 2026
Blutnacht in Haiti

In Kenscoff nahe Port-au-Prince sind bei einem nächtlichen Bandenangriff laut Bürgermeister rund 40 Menschen getötet worden. Die Attacke zeigt erneut, wie stark die Gewalt in Haiti trotz internationaler Sicherheitsmission eskaliert.

Die Gewalt in Haiti nimmt weiter dramatisch zu: Im Vorort Kenscoff, rund zehn Kilometer südlich von Port-au-Prince, sind bei einem nächtlichen Überfall laut Bürgermeister Jean Massillon etwa 40 Menschen getötet worden. Weitere Personen werden noch vermisst, eine genaue Zahl der Opfer war zunächst nicht möglich. Lokale Medien und die UNO berichteten teils sogar von bis zu 47 Toten.

Nach Angaben des Bürgermeisters sollen Mitglieder der Bande Viv Ansanm hinter dem Angriff stehen. Er sprach davon, dass mehrere Menschen gezielt getötet wurden. Dazu kommen zahlreiche Verletzte, außerdem sollen einige Bewohnerinnen und Bewohner verschleppt worden sein. Berichten zufolge drangen die Angreifer in der Nacht ins Zentrum der landwirtschaftlich geprägten Gemeinde vor, steckten Häuser in Brand und stürmten auch eine Kirche, in der Vertriebene untergebracht waren.

Kenscoff gerät ins Visier der Banden

Lange galt Kenscoff als vergleichsweise ruhige Wohngegend. Doch seit Monaten weiten bewaffnete Gruppen ihren Einfluss auch außerhalb der Hauptstadt aus. Schon im Juli hatte es dort laut lokalen Berichten einen ähnlichen Angriff gegeben, bei dem mehr als 100 Menschen ums Leben kamen und Tausende fliehen mussten.

Die Polizei konnte die Angreifer laut Berichten später zurückdrängen und die Kontrolle über das Gebiet zurückerlangen. Dennoch wächst vor Ort die Wut: Einwohner forderten am Montag den Rücktritt des örtlichen Polizeichefs. Ihr Vorwurf: Menschen seien nicht geschützt worden, obwohl der Tatort nur wenige Minuten von der Polizeistation entfernt lag.

Internationale Hilfe mit begrenzter Wirkung

Die haitianische Übergangsregierung bestätigte den Überfall und sprach von einem schweren kriminellen Angriff. Ministerpräsident Alix Didier Fils-Aime bekundete sein Mitgefühl mit den Angehörigen. Gleichzeitig wurden die Sicherheitskräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt und Verstärkungen angekündigt. Im Land läuft derzeit mit Unterstützung einer internationalen UNO-Truppe und eines privaten US-Militärunternehmens die Sicherheitsmission GSF. Sie ist seit Juni im Einsatz, doch die jüngsten Ereignisse zeigen, wie fragil die bisherigen Fortschritte offenbar noch sind.

Quelle: ORF

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