Politik

AfD drängt bei Ukraine-Kurs

12. September 2026
AfD drängt bei Ukraine-Kurs

Im Bundestag verteidigt Kanzler Friedrich Merz die Hilfe für die Ukraine. Die AfD um Alice Weidel fordert dagegen ein Ende der Unterstützung und bekommt vor allem im Osten Rückenwind.

Foto: Wikimedia Commons / Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0

Die Debatte um den deutschen Ukraine-Kurs wird schärfer: Bundeskanzler Friedrich Merz hat im Bundestag bekräftigt, dass Deutschland an seiner Unterstützung für die Ukraine festhält. Anlass war ein Frontalangriff der AfD, deren Co-Chefin Alice Weidel die Regierung aufforderte, die Hilfen zu stoppen und stattdessen auf Verhandlungen zu setzen.

Merz stellte sich dem klar entgegen und begründete die Linie der Bundesregierung mit der Sicherheitslage in Europa. Weidel wiederum verwies auf den Kurs der USA unter Präsident Donald Trump, der bei möglichen Gesprächen mit Russland offenbar zu weitreichenden Zugeständnissen bereit wäre. Kritiker in Deutschland werten so etwas als Friedenslösung zu russischen Bedingungen.

AfD fordert Kurswechsel

Neben der Ukraine-Hilfe griff Weidel auch die Energiepolitik an. Sie sprach sich für günstiges Erdgas aus Russland aus und brachte die ukrainische Regierung indirekt mit der Zerstörung der Nord-Stream-Leitungen im Jahr 2022 in Verbindung. Laut Quelle wird hinter dem Anschlag eine ukrainische Sabotagegruppe vermutet. Auch aus den Reihen der AfD kamen im Bundestag deutlich russlandfreundliche Töne: Ein Abgeordneter bezeichnete Wladimir Putin als geschätzten Präsidenten und bestritt eine Gefahr für die NATO.

Osten skeptischer als Westen

Brisant ist die Entwicklung auch wegen der Stimmung im Osten Deutschlands. Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt mit knapp 44 Prozent tritt die Partei in der Ukraine-Frage noch offensiver auf. Rechnet man dort die Stimmen für AfD, Linkspartei und BSW zusammen, entfallen laut Bericht rund 60 Prozent auf Parteien, die die Ukraine-Unterstützung skeptisch bis ablehnend sehen.

Auch Umfragen zeigen eine deutliche Ost-West-Differenz. Im ARD-Deutschlandtrend kurz vor der Wahl hielten 39 Prozent der Westdeutschen die Waffenhilfe für überzogen, im Osten waren es 54 Prozent. Der Politikwissenschaftler Johannes Varwick sieht darin nach eigenen Worten nicht zwingend Russland-Nähe, sondern vor allem den Wunsch nach mehr Diplomatie statt weiterer Waffenlieferungen.

Quelle: DW Deutsch

Mehr aus Politik

Laborantin tot: Streit um Lungenpest in Sibirien
Politik07. Oktober 2026

Laborantin tot: Streit um Lungenpest in Sibirien

Eine 28-jährige Mitarbeiterin eines Pest-Instituts bei Irkutsk ist gestorben, ein Lungenpestfall ist aber nicht bestätigt; WHO und USA fordern Aufklärung.

Kabinett beschließt Gesetz gegen digitale Gewalt
Politik07. Oktober 2026

Kabinett beschließt Gesetz gegen digitale Gewalt

Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf von Justizministerin Stefanie Hubig gegen digitale Gewalt beschlossen, nun berät der Bundestag darüber.

Koalitionsausschuss tagt nach drei Monaten Pause
Politik07. Oktober 2026

Koalitionsausschuss tagt nach drei Monaten Pause

Die Spitzen von Union und SPD beraten am Abend im Kanzleramt über den Reformkurs, die SPD verlangt Änderungen am Paket, Kanzler Friedrich Merz will die bisherige Linie halten.

Zwei Tote bei russischem Angriff auf Kiew
Politik07. Oktober 2026

Zwei Tote bei russischem Angriff auf Kiew

Bei einem nächtlichen russischen Luftangriff auf Kiew sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen.

Israel hält Schweigeminute zum 7. Oktober
Politik07. Oktober 2026

Israel hält Schweigeminute zum 7. Oktober

Drei Jahre nach dem Hamas-Überfall haben Menschen in Israel der Opfer gedacht, am Nova-Gedenkort bei Reim ab 6.29 Uhr Ortszeit mit einer Schweigeminute.

AfD-Mann Rausch wird Landtagspräsident in Magdeburg
Politik07. Oktober 2026

AfD-Mann Rausch wird Landtagspräsident in Magdeburg

In Sachsen-Anhalt steht erstmals in einem Bundesland ein AfD-Politiker an der Spitze des Landtags: Tobias Rausch wurde am 6. Oktober mit 48 Stimmen gewählt.