Politik

25 Jahre Haft für Thaci

16. September 2026
25 Jahre Haft für Thaci

Das Kosovo-Sondertribunal in Den Haag hat Ex-Präsident Hashim Thaci wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt. In Pristina kam es nach dem Urteil zu Protesten, viele Unterstützer sehen ihn weiter als Helden.

Schweres Urteil aus Den Haag: Das Kosovo-Sondertribunal hat den früheren Präsidenten Hashim Thaci zu 25 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 58-Jährige für zahlreiche Verbrechen während des Kosovo-Konflikts in den 1990er-Jahren mitverantwortlich war. Thaci selbst hatte alle Vorwürfe bestritten und die Urteilsverkündung schweigend verfolgt.

Gericht sieht Beteiligung an schweren Verbrechen

Nach Überzeugung der Richter war Thaci an den Taten nicht nur beteiligt, sondern unterstützte sie aktiv. Verurteilt wurde er unter anderem wegen 96 politischen Morden. Hinzu kommen laut Urteil die willkürliche Inhaftierung von 385 Menschen, die Folter von 303 Personen sowie die grausame Behandlung von rund 50 weiteren Betroffenen.

Die Anklage ordnete Thaci und drei Mitangeklagte der Führung der kosovo-albanischen Befreiungsarmee UCK zu. Alle vier hatten später hohe politische Ämter inne. Thaci war von 2008 bis 2014 Ministerpräsident, danach Außenminister und ab 2016 Präsident. 2020 trat er zurück, um sich dem Verfahren in Den Haag zu stellen. Gegen das Urteil kann er noch Berufung einlegen. Seine bereits verbüßte Haftzeit von fünf Jahren und zehn Monaten wird angerechnet.

Proteste in Pristina nach dem Richterspruch

Im Kosovo selbst löste die Entscheidung heftige Reaktionen aus. In Pristina verfolgten Tausende die Urteilsverkündung auf Großbildschirmen, begleitet von Buhrufen und Sprechchören für Thaci. Auch vor dem Gerichtsgebäude in Den Haag demonstrierten Unterstützer mit UCK-Flaggen. Für viele Kosovo-Albaner gilt Thaci trotz des Urteils weiter als Symbolfigur des Unabhängigkeitskampfs.

Neben Thaci wurden auch die Mitangeklagten verurteilt: Jakup Krasniqi erhielt ebenfalls 25 Jahre Haft, Kadri Veseli 18 Jahre und Rexhep Selimi 13 Jahre. Das Sondertribunal war 2015 auf internationalen Druck eingerichtet worden. Ein wichtiger Anstoß dafür war ein Bericht des Europarats, in dem mutmaßliche Verbrechen früherer UCK-Funktionäre thematisiert wurden.

Quelle: Tagesschau

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