Tom Cruise kaum wiederzuerkennen
Tom Cruise zeigt sich in „Digger“ so ungeschönt wie nie. In der neuen Regiearbeit von Alejandro González Iñárritu spielt der Star einen skrupellosen Ölmagnaten – und gilt damit laut Bericht sogar als Oscar-Kandidat.
Foto: abendzeitung
Tom Cruise hat sich über Jahrzehnte als makelloser Actionheld ins Kino eingeschrieben: athletisch, kontrolliert, moralisch meist auf der richtigen Seite. In „Digger“ stellt der Star dieses Bild nun radikal auf den Kopf. In der neuen Regiearbeit von Alejandro González Iñárritu ist Cruise kaum wiederzuerkennen – äußerlich wie inhaltlich.
Statt geschniegelt und geschniegelt aufzutreten, spielt er diesmal einen heruntergekommenen, moralisch verwahrlosten Unternehmer. Seine Figur Digger Rockwell ist ein mächtiger Ölmagnat, der mit rücksichtslosen Methoden reich geworden ist und die Welt mit seiner Gleichgültigkeit an den Rand des Kollapses geführt hat. Vom früheren Cruise-Glanz ist da wenig übrig: Fast-Glatze, blasse Haut, versteckter Bauch statt definierter Muskeln – das neue Erscheinungsbild passt zur Figur.
Weltuntergang statt Weltrettung
Die Geschichte dreht die gewohnte Cruise-Dramaturgie komplett um. Wo er sonst oft der Mann ist, der das Schlimmste noch verhindert, gehört er hier zu denen, die das Desaster erst mit verursacht haben. Im Film bricht die Katastrophe offen aus: schmelzende Polkappen, Tsunamis, berstende Atomkraftwerke, eine Menschheit am Rand der Auslöschung. Ausgerechnet der Mann, der mitverantwortlich ist, soll nun handeln.
- Tom Cruise spielt die Titelrolle
- Regie: Alejandro González Iñárritu
- Figur: skrupelloser Ölunternehmer statt Actionheld
- Ton des Films: Groteske mit ökologisch-moralischer Abrechnung
Umstritten, aber auffällig stark
„Digger“ wird laut Vorlage kontrovers aufgenommen. Für die einen ist der Film furios und kompromisslos inszeniert, für andere wirkt das Ergebnis überladen oder verworren. Unstrittig scheint aber, dass Cruise hier schauspielerisch ein Ausrufezeichen setzt. Gerade weil er lange nicht mehr in einer so ungeschönten, riskanten Rolle zu sehen war, wird seine Leistung besonders hervorgehoben.
Damit könnte ausgerechnet die demonstrative Hässlichkeit zu einem der spannendsten Karrierekapitel des Stars werden. Nach rund 40 Jahren Kino zeigt Cruise in „Digger“, dass er nicht nur rennen und retten kann – sondern auch den Absturz glaubhaft spielt.
Quelle: abendzeitung






