Scorseses Western-Geheimtipp
Martin Scorsese zählt Marlon Brandos einzigen Regiefilm „Der Besessene“ zu seinen Favoriten. Beim New York Film Festival lobte er den Western von 1961 als visuell atemberaubend und ganz anders als das übliche Genre-Kino.
Foto: filmstarts
Martin Scorsese hat zwar mit „Killers Of The Flower Moon“ zuletzt am Western gestreift, einen klassischen Genrebeitrag hat er selbst aber nie gedreht. Umso bemerkenswerter ist, wie leidenschaftlich der Regisseur über Western spricht, die ihn geprägt haben. Zu seinen Favoriten zählt auch ein Film, der bis heute eher ein Schattendasein führt: „Der Besessene“, die einzige Regiearbeit von Marlon Brando.
Brandos einziger Film als Regisseur
Der 1961 veröffentlichte Western erzählt von dem Banditen Rio, gespielt von Brando selbst. Nach einem Banküberfall wird er von seinem Komplizen Longworth, dargestellt von Karl Malden, im Stich gelassen und landet im Gefängnis. Fünf Jahre später gelingt ihm die Flucht – und er will sich rächen. Das Problem: Longworth ist inzwischen Sheriff im kalifornischen Monterey.
- Titel: „Der Besessene“
- Originaltitel: „One-Eyed Jacks“
- Jahr: 1961
- Laufzeit: 2 Stunden 21 Minuten
Die Produktion verlief offenbar alles andere als reibungslos. Brando übernahm die Regie erst, nachdem es zum Bruch mit Stanley Kubrick gekommen war, der den Film ursprünglich inszenieren sollte. Mehrere Drehbuchfassungen wurden verworfen, außerdem kürzten die Produzenten Brandos bevorzugte Fassung, die über drei Stunden lang gewesen sein soll, um rund 60 Minuten.
Scorsese schwärmt von der Wucht des Films
An den Kinokassen blieb der Film hinter den Erwartungen, bei Kritikerinnen und Kritikern kam er jedoch deutlich besser an. Kameramann Charles Lang erhielt sogar eine Oscar-Nominierung. Jahre später setzte sich Scorsese mit seiner Filmstiftung für eine aufwändige Restaurierung ein und adelte den Film bei einer Vorführung auf dem New York Film Festival als einen Western, der sich klar von anderen Genrevertretern abhebe.
Besonders beeindruckt zeigte sich Scorsese von der Bildsprache und der schauspielerischen Energie. Für ihn verbindet der Film den klassischen Hollywood-Stil mit den neuen filmischen Strömungen, die in den 60er Jahren aufkamen. Gerade diese Mischung macht „Der Besessene“ für den Regisseur zu einem Ausnahme-Western – und vielleicht zu einem unterschätzten Klassiker, den viele erst noch entdecken müssen.
Quelle: filmstarts






