Politik

Taliban brachen ihr Frauen-Versprechen

16. August 2026
Taliban brachen ihr Frauen-Versprechen

Vor fast fünf Jahren übernahmen die Taliban wieder die Macht in Afghanistan. Seitdem wurden Frauen Schritt für Schritt aus Schule, Arbeit und öffentlichem Leben gedrängt.

Als am 16. August 2021 am Flughafen von Kabul chaotische Szenen die Welt erschütterten, war klar: In Afghanistan beginnt eine neue Ära unter den Taliban. Während Tausende noch versuchten, das Land zu verlassen, kontrollierten die Islamisten ausserhalb des Flughafens bereits die Hauptstadt. Kurz darauf traten sie vor die Medien und bemühten sich um einen vergleichsweise gemässigten Auftritt.

Dabei machten die neuen Machthaber auch Zusagen an die Frauen im Land. Sie kündigten an, Afghaninnen könnten weiter lernen und arbeiten und blieben Teil der Gesellschaft. Doch schon damals war das Versprechen eingeschränkt: Rechte sollten nur im Rahmen gelten, den die Taliban als islamisch ansehen. Viele Beobachterinnen und Beobachter zweifelten deshalb früh daran, dass diese Ankündigungen tatsächlich Bestand haben würden.

Rechte Schritt für Schritt gestrichen

In den Monaten danach verschärfte sich die Lage deutlich. Frauen verloren immer mehr Freiheiten und wurden zunehmend aus dem Alltag verdrängt. Seit Mai 2022 ist vorgeschrieben, dass sie ihr Gesicht in der Öffentlichkeit verhüllen. Dazu kommen weitere harte Einschnitte:

Wie stark diese Regeln den Alltag bestimmen, zeigt auch eine aktuelle Umfrage der UNO: Demnach verlässt etwa die Hälfte der Afghaninnen ihr Zuhause höchstens zwei Mal im Monat. Damit ist das öffentliche Leben für viele Frauen faktisch kaum noch erreichbar.

Freiräume nur noch in Nischen

Ganz einheitlich werden die Vorgaben im Land aber offenbar nicht umgesetzt. Laut der deutsch-afghanischen Journalistin Nabila Lalee gibt es je nach Stadt und Region Unterschiede. In manchen Orten seien nicht alle Frauen vollständig verschleiert zu sehen. Auch berufstätige Frauen gebe es noch, etwa solche, die schon vor 2021 als Ärztinnen oder Lehrerinnen ausgebildet worden waren.

Trotzdem bleibt der Spielraum eng. Weil offizielle Bildungswege weitgehend versperrt sind, suchen viele Afghaninnen nach kleinen Auswegen und privaten Möglichkeiten, um weiterzulernen oder aktiv zu bleiben. Das zeigt: Von den frühen Zusagen der Taliban ist für viele Frauen in Afghanistan kaum etwas übrig geblieben.

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