Politik

Russland funkt bei Neutralität

21. August 2026
Russland funkt bei Neutralität

Vor der Schweizer Abstimmung am 27. September 2026 über die Neutralitätsinitiative warnen Fachleute und Behörden vor ausländischer Einflussnahme. Laut SRF mischt sich vor allem Russland mit Beiträgen und Kampagnen in den Abstimmungskampf ein.

Im Vorfeld der Schweizer Abstimmung über die Neutralitätsinitiative am 27. September 2026 wächst die Sorge über ausländische Einflussversuche. Nach Informationen von SRF hat sich in den vergangenen Wochen vor allem Russland auffällig in den Abstimmungskampf eingeschaltet. Im Zentrum steht eine Vorlage, die ein weitreichendes Verbot von Sanktionen gegen kriegführende Staaten in der Bundesverfassung festschreiben will. Ausgenommen wären nur Verpflichtungen gegenüber der UNO.

Kreml-nahe Beiträge zur Schweizer Vorlage

Besonderes Interesse zeigt Moskau laut Bericht an den Schweizer Russland-Sanktionen. Auf der vom Kreml finanzierten Plattform RT DE erschienen demnach mehrere Beiträge zur Initiative. Darin werde der Bundesrat, der die Vorlage ablehnt, kritisch dargestellt, während gleichzeitig Stimmung für die Initiative gemacht werde. Auch Vertreter des russischen Aussenministeriums äussern sich laut SRF inzwischen direkt zugunsten der Vorlage.

Der Osteuropa-Experte Ulrich Schmid von der Universität St. Gallen ordnet diese Aktivitäten als Teil einer grösseren Strategie ein. Aus seiner Sicht versucht der Kreml, den Krieg gegen die Ukraine als gewöhnlichen Konflikt zwischen zwei Staaten erscheinen zu lassen. Daraus werde dann die Forderung abgeleitet, die Schweiz solle sich neutral verhalten. Schmid erwartet zwar nur begrenzten Erfolg solcher Aktionen, warnt aber davor, sie zu unterschätzen.

Bund und Parlament wollen reagieren

Auch beim Bund ist das Thema angekommen. Das Staatssekretariat für Sicherheitspolitik hält laut SRF fest, dass ausländische Desinformation und gezielte staatliche Beeinflussungsversuche gegen die Schweiz zunehmen. Bereits Ende 2025 setzte der Bundesrat deshalb eine Arbeitsgruppe ein. Sie soll die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung verbessern und die Bevölkerung stärker für solche Einflussnahmen sensibilisieren.

Dem Parlament reicht das bislang jedoch nicht. Laut SRF werden weitergehende Schritte diskutiert, etwa eine stärkere Überwachung sozialer Medien und das gezieltere Aufspüren ausländischer Akteure. Damit könnte auch der Nachrichtendienst mehr Gewicht bekommen. Über entsprechende Forderungen könnte das Parlament schon in der Herbstsession entscheiden.

Quelle: SRF

Mehr aus Politik

Wong bekennt sich schuldig
Politik02. September 2026

Wong bekennt sich schuldig

Der inhaftierte Demokratie-Aktivist Joshua Wong hat sich in Hongkong in einem weiteren Verfahren schuldig bekannt. Dem 29-Jährigen wird Verschwörung mit ausländischen Kräften vorgeworfen, es drohen weitere Jahre Haft.

Alarm um Tunesiens NGOs
Politik02. September 2026

Alarm um Tunesiens NGOs

Menschenrechtler werfen Präsident Kais Saied vor, in Tunesien immer härter gegen die Zivilgesellschaft vorzugehen. Laut Aktivisten und Human Rights Watch werden Organisationen eingeschüchtert, suspendiert und strafrechtlich unter Druck gesetzt.

Berlin schlägt gegen Moskau zurück
Politik02. September 2026

Berlin schlägt gegen Moskau zurück

Nach einem vereitelten Drohnenangriff am Flughafen Leipzig macht die Bundesregierung Russland verantwortlich. Berlin reagiert mit der Schließung des letzten russischen Generalkonsulats in Deutschland und weiteren Maßnahmen.

Neue Angriffe im Nahen Osten
Politik02. September 2026

Neue Angriffe im Nahen Osten

Die USA haben nach eigenen Angaben erneut Ziele im Iran nahe der Straße von Hormus angegriffen. Iran meldet zivile Opfer und reagierte laut Jordanien mit 13 ballistischen Raketen auf den jordanischen Luftraum.

Flut-Horror in Nepal
Politik01. September 2026

Flut-Horror in Nepal

Nach den schweren Überschwemmungen im Himalaya sind allein in Nepal mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen. Tausende gelten in Nepal und China weiter als vermisst, während Helfer vor wachsenden Gesundheitsgefahren warnen.

Berlin zeigt Moskau an
Politik01. September 2026

Berlin zeigt Moskau an

Die deutsche Regierung macht Russland für den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig verantwortlich. Nach neuen Ermittlungen kündigte Berlin Sanktionen, schärfere Einreisekontrollen und die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn an.