Politik

Kinderwunsch trifft Krisenangst

02. September 2026
Kinderwunsch trifft Krisenangst

In Deutschland wollen viele junge Erwachsene Kinder, bekommen aber weniger als geplant. Neue Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigen: Geburtenrate und Kinderwunsch sinken, Sorgen um Wohnung, Job und Zukunft bremsen.

Foto: dronepicr / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Viele Menschen in Deutschland wünschen sich eine Familie mit Kindern – doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine deutliche Lücke. Neue Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigen: Während das Ideal für viele weiterhin bei rund zwei Kindern liegt, fällt die tatsächliche Geburtenrate seit Jahren. Sie sank seit 2021 von 1,58 auf zuletzt 1,32 Kinder pro Frau.

Grundlage der Auswertung ist das Familiendemografische Panel FReDA, für das zweimal pro Jahr rund 30.000 Menschen befragt werden. Lange blieb der Kinderwunsch relativ stabil, doch nun zeigt sich erstmals auch dort ein Rückgang. Laut den neuesten Zahlen für 2025 wünschen sich Frauen im Schnitt 1,7 Kinder, Männer 1,6. Gleichzeitig sagen rund 90 Prozent der Befragten, dass sie grundsätzlich Kinder wollen.

Wunschfamilie ja – aber bitte unter besseren Bedingungen

Fachleute sprechen von einem „Fertility Gap“, wenn der gewünschte Nachwuchs deutlich über der Zahl der tatsächlich geborenen Kinder liegt. Genau dieser Abstand ist laut BiB derzeit besonders groß. In einer idealen Welt ohne Hindernisse würden sich die meisten Befragten im Schnitt sogar 2,2 Kinder vorstellen.

Als Bremsklötze für die Familienplanung nennen die Daten vor allem alltägliche Belastungen. Besonders schlecht schneidet der Wohnungsmarkt ab: Nur 22 bis 29 Prozent sind mit dem Angebot zufrieden. Wer mit Wohnung, Arbeit und Verdienstmöglichkeiten zufrieden ist, plant eher in den kommenden drei Jahren ein Kind.

Krieg und Demokratie-Sorgen wiegen schwer

Neben Job und Wohnung spielt auch die allgemeine Lage eine große Rolle. 85 Prozent der Befragten sorgen sich um Krieg – das ist der stärkste Belastungsfaktor in der Studie. Dahinter folgt die Angst, dass die Demokratie in Deutschland Schaden nehmen könnte; hier gab es den deutlichsten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Klimawandel bleibt für junge Erwachsene ein wichtiges Thema. Die Auswertung zeigt: Wer große Sorgen um Demokratie oder Klima hat, äußert meist einen geringeren Kinderwunsch. Sorgen vor Krieg bremsen laut Studie vor allem Männer.

Quelle: Tagesschau

Mehr aus Politik

Libyen wagt neuen Anlauf
Politik02. September 2026

Libyen wagt neuen Anlauf

In Libyen haben sich die rivalisierenden Lager im Westen und Osten unter UN-Vermittlung auf einen Fahrplan für Wahlen innerhalb von zwei Jahren verständigt. Ob daraus wirklich freie Wahlen entstehen, bleibt aber offen.

Neue Angriffe im Südlibanon
Politik02. September 2026

Neue Angriffe im Südlibanon

Im Südlibanon ist es erneut zu Kämpfen zwischen Israel und der Hisbollah gekommen. Nach Angaben des israelischen Militärs wurden nach einem Drohneneinsatz der Hisbollah Ziele nahe Nabatäa angegriffen, laut libanesischer Agentur mit Toten und Schäden an Wohnhäusern.

UN schlagen Klima-Alarm
Politik02. September 2026

UN schlagen Klima-Alarm

Das UN-Umweltprogramm UNEP warnt in Nairobi vor deutlich mehr Erderwärmung als vereinbart. Ohne stärkeren Klimaschutz steuert die Welt laut Bericht auf bis zu 2,6 Grad zu, das 1,5-Grad-Ziel werde wohl dauerhaft überschritten.

Spur führt zu Russland
Politik02. September 2026

Spur führt zu Russland

Nach dem versuchten Drohnenanschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle haben Ermittler mehrere Verdächtige identifiziert. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die mutmaßlichen Täter im Auftrag russischer Stellen handelten.

Wong bekennt sich schuldig
Politik02. September 2026

Wong bekennt sich schuldig

Der inhaftierte Demokratie-Aktivist Joshua Wong hat sich in Hongkong in einem weiteren Verfahren schuldig bekannt. Dem 29-Jährigen wird Verschwörung mit ausländischen Kräften vorgeworfen, es drohen weitere Jahre Haft.

Alarm um Tunesiens NGOs
Politik02. September 2026

Alarm um Tunesiens NGOs

Menschenrechtler werfen Präsident Kais Saied vor, in Tunesien immer härter gegen die Zivilgesellschaft vorzugehen. Laut Aktivisten und Human Rights Watch werden Organisationen eingeschüchtert, suspendiert und strafrechtlich unter Druck gesetzt.