Kiew unter Dauerfeuer
Russland greift Kiew nach SRF-Angaben so heftig an wie noch nie seit Kriegsbeginn. Getroffen wurden Wohnhäuser, Lager und Geschäfte – viele Menschen sorgen sich nun vor allem vor dem Winter.
Foto: Francisco Anzola / Wikimedia Commons, CC BY 3.0
Kiew erlebt derzeit die massivsten russischen Angriffe seit Beginn des Krieges. Vor einem Wohnhaus mit rund hundert Wohnungen liegen Glasscherben und Trümmer, während Anwohnerinnen und Anwohner bei der Stadt kostenlose Spanplatten holen, um zerstörte Fenster notdürftig zu schließen. Eine Betroffene berichtet, sie habe nachts erst eine Explosion und kurz darauf eine zweite gehört; ihre Mutter sei dabei von Splittern verletzt worden und liege nun im Krankenhaus.
Nach Angaben von SRF steht die ukrainische Hauptstadt inzwischen stundenlang unter Luftalarm. Immer wieder ist Flugabwehrfeuer zu hören, dann folgen Einschläge in verschiedenen Teilen der Stadt. Ins Visier geraten demnach nicht nur Wohngebäude, sondern auch Einkaufszentren, Tankstellen und Lagerhäuser. Besonders sichtbar ist die Zerstörung an einem ausgebrannten Logistikzentrum der Handelskette „Epizentr“, in dessen verkohlten Regalen noch beschädigte Waren stehen.
Moskau erhöht den Druck auf das Hinterland
Hinter den Angriffen könnte eine neue Strategie des Kremls stehen. Weil die russische Sommeroffensive an der Front laut SRF weitgehend gescheitert ist und die Ukraine in einigen Abschnitten sogar Gelände zurückgewinnen konnte, rückt nun offenbar das Hinterland stärker in den Fokus. Ziel sei es, die Wirtschaft zu schwächen und Kiew durch anhaltende Attacken massiv unter Druck zu setzen.
- Wohnhäuser wurden beschädigt
- Ein Logistikzentrum brannte vollständig aus
- In Supermärkten treten bereits Versorgungsprobleme auf
Die Angst vor dem Winter wächst
Trotz der Angriffe läuft das Leben in der Stadt weiter: In Cafés sitzen Geschäftsleute beim Frühstück, auf dem Boulevard sind Familien, Soldaten und Jugendliche unterwegs. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass Russland wie schon im Vorjahr erneut Energie- und Heizversorgung angreifen könnte. Eine Mutter hat deshalb für den Winter ein Haus außerhalb der Stadt gemietet, mit Dieselgenerator, Gasheizung und Holzofen. Viele andere können sich so ein Ausweichquartier nicht leisten. Eine Frau vor dem beschädigten Wohnblock sagt, ihr Mann habe immerhin warme Schlafsäcke besorgt – zunächst müsse man aber erst einmal die kaputten Fenster verschließen.
Quelle: SRF






