Politik

Frankreich blickt nervös nach Deutschland

22. September 2026
Frankreich blickt nervös nach Deutschland

Die starken AfD-Zuwächse bei den Landtagswahlen in Deutschland lösen in Frankreich große Unruhe aus. Politiker und Medien sprechen von einem beunruhigenden Signal für Deutschland und Europa.

Foto: Pierre Blaché from Paris, France / Wikimedia Commons, CC0

Die jüngsten Landtagswahlen in Deutschland schlagen in Frankreich ungewöhnlich hohe Wellen. Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt, die dort sonst kaum öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, dominieren plötzlich Radio, Fernsehen und Zeitungen. Auslöser ist der starke Aufstieg der AfD, der in vielen französischen Reaktionen als Warnsignal weit über Deutschland hinaus verstanden wird.

Medien sehen ein Alarmsignal

Französische Medien ordnen die Ergebnisse auffallend drastisch ein. Die Zeitung Le Monde wertet das Ausscheiden der CDU aus dem Landtag in Mecklenburg-Vorpommern als historische Niederlage für Kanzler Friedrich Merz und seine Partei. Der konservative Figaro beschreibt die Lage nach der Wahl in Sachsen-Anhalt als Schock für Deutschland. Dass deutsche Landespolitik in Frankreich derzeit so präsent ist, gilt als eher ungewöhnlich.

Auch aus der Politik kommen deutliche Töne. Im Regierungslager wächst die Sorge um die Stabilität des wichtigsten Partners in Europa. Frankreichs Finanzminister Roland Lescure nannte es sehr beunruhigend, wenn ein deutsches Bundesland in die Hände von Parteien wie der AfD falle. Europaminister Benjamin Haddad sieht sogar einen schweren Moment für ganz Europa.

Rechte hält sich auffällig zurück

Von links kommen noch schärfere Reaktionen. Jean-Luc Mélenchon warnt vor der Rückkehr der Rechtsextremen in Deutschland und leitet daraus ab, dass Deutschland keinesfalls die stärkste konventionelle Armee Europas aufbauen dürfe. Sein Parteikollege Manuel Bompard bezeichnet die AfD als offen neonazistisch. In mehreren Stellungnahmen wird deutlich, dass in Frankreich die Angst vor einem neuen rechtsextremen Nationalismus in Deutschland mitschwingt.

Auffällig ist zugleich die Zurückhaltung beim rechtsnationalen Rassemblement National von Marine Le Pen. Während aus vielen politischen Lagern harte Kritik kommt, vermeidet das RN jede erkennbare Unterstützung für die AfD. Hintergrund ist offenbar auch deren schlechtes Image in Frankreich: Vor allem mögliche Verbindungen zu Neonazis werden dort besonders aufmerksam beobachtet.

Quelle: Tagesschau

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