Politik

EU-Kurs auf Haftar sorgt für Alarm

19. August 2026
EU-Kurs auf Haftar sorgt für Alarm

Die EU will laut vertraulichen Unterlagen enger mit Ostlibyen zusammenarbeiten, um die Fluchtroute nach Kreta zu bremsen. Experten warnen, Europa mache sich damit erneut von Machthabern abhängig, die Migration als Druckmittel nutzen.

Foto: Υπουργείο Εξωτερικών / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Die EU plant offenbar einen neuen Kurs in der Migrationsabwehr im Mittelmeer: Nach Informationen aus vertraulichen Unterlagen soll Brüssel die Zusammenarbeit mit Ostlibyen ausbauen, um die Route von dort nach Kreta einzudämmen. Genau diese Strecke ist in den vergangenen zwei Jahren stärker in den Fokus gerückt. Ende Juli kamen etwa 76 Geflüchtete an einem Strand im Süden Kretas an – nur wenige Meter entfernt von Urlaubern im Wasser.

Im Osten Libyens bestimmen Milizenführer Khalifa Haftar und seine Söhne die Lage. Gegen sie stehen laut Menschenrechtsorganisationen schwere Vorwürfe im Raum, darunter Kriegsverbrechen. Die EU erkennt ihre Parallelherrschaft nicht an. Trotzdem zeigen die Unterlagen, dass Brüssel Haftar nun stärker einbinden will. Der Libyen-Experte Wolfram Lacher warnt, die EU mache sich damit erpressbar, weil Haftars Netzwerk die Fluchtrouten nach Bedarf öffnen oder blockieren könne.

Geplante Hilfe für Ostlibyen

Laut den Dokumenten sind mehrere Maßnahmen im Gespräch, die offiziell dem Ziel dienen sollen, Migration einzudämmen. Dazu gehören technische Gespräche mit Vertretern aus Ostlibyen und konkrete Unterstützungspläne.

Brisant ist dabei: Interne Vermerke zeigen, dass europäischen Stellen bewusst war, wie stark Haftar das Thema Migration als Druckmittel nutzt. In einem Anfang Juli festgehaltenen Austausch hieß es demnach, Migranten würden von den Haftars als Geschäftsmodell und Mittel zum Zweck eingesetzt. Zugleich wurde festgehalten, dass die EU dem Osten Libyens bislang kaum etwas angeboten habe – das solle sich nun ändern.

Aus Mission gegen Schmuggel wird Hilfe

Auch die EU-Marinemission IRINI soll nach diesen Plänen einen neuen Schwerpunkt bekommen. Bislang richtete sich ihr Mandat vor allem gegen Waffen- und Ölschmuggel – also auch gegen Strukturen, die Haftar nahestehen. Die international anerkannte Regierung in Tripolis wollte laut den Unterlagen ein entschiedeneres Vorgehen. In internen EU-Runden wurde das aber kritisch gesehen, offenbar aus Sorge, Haftar wegen seiner Kontrolle über die Fluchtrouten zu verärgern. Statt härter gegen ihn vorzugehen, soll Ostlibyen nun ausgebildet und ausgerüstet werden. Genau das sorgt bei Experten für neue Zweifel am europäischen Kurs.

Quelle: Tagesschau

Mehr aus Politik

Wong bekennt sich schuldig
Politik02. September 2026

Wong bekennt sich schuldig

Der inhaftierte Demokratie-Aktivist Joshua Wong hat sich in Hongkong in einem weiteren Verfahren schuldig bekannt. Dem 29-Jährigen wird Verschwörung mit ausländischen Kräften vorgeworfen, es drohen weitere Jahre Haft.

Alarm um Tunesiens NGOs
Politik02. September 2026

Alarm um Tunesiens NGOs

Menschenrechtler werfen Präsident Kais Saied vor, in Tunesien immer härter gegen die Zivilgesellschaft vorzugehen. Laut Aktivisten und Human Rights Watch werden Organisationen eingeschüchtert, suspendiert und strafrechtlich unter Druck gesetzt.

Berlin schlägt gegen Moskau zurück
Politik02. September 2026

Berlin schlägt gegen Moskau zurück

Nach einem vereitelten Drohnenangriff am Flughafen Leipzig macht die Bundesregierung Russland verantwortlich. Berlin reagiert mit der Schließung des letzten russischen Generalkonsulats in Deutschland und weiteren Maßnahmen.

Neue Angriffe im Nahen Osten
Politik02. September 2026

Neue Angriffe im Nahen Osten

Die USA haben nach eigenen Angaben erneut Ziele im Iran nahe der Straße von Hormus angegriffen. Iran meldet zivile Opfer und reagierte laut Jordanien mit 13 ballistischen Raketen auf den jordanischen Luftraum.

Flut-Horror in Nepal
Politik01. September 2026

Flut-Horror in Nepal

Nach den schweren Überschwemmungen im Himalaya sind allein in Nepal mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen. Tausende gelten in Nepal und China weiter als vermisst, während Helfer vor wachsenden Gesundheitsgefahren warnen.

Berlin zeigt Moskau an
Politik01. September 2026

Berlin zeigt Moskau an

Die deutsche Regierung macht Russland für den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig verantwortlich. Nach neuen Ermittlungen kündigte Berlin Sanktionen, schärfere Einreisekontrollen und die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn an.