Politik

600 Afghanen warten weiter

15. August 2026
600 Afghanen warten weiter

Fünf Jahre nach der Taliban-Rückkehr sitzen laut DW noch rund 600 afghanische Ortskräfte und Angehörige in Kabul und Peschawar fest. Nach dem Aufnahmestopp der neuen Bundesregierung 2025 wächst ihre Verzweiflung.

Fünf Jahre nach der Rückkehr der Taliban ist das Versprechen deutscher Politiker für viele afghanische Ortskräfte zur bitteren Enttäuschung geworden. Während einige Betroffene inzwischen in Deutschland in Sicherheit leben, warten andere noch immer auf ihre Ausreise. Nach Angaben der DW harren rund 600 Afghaninnen und Afghanen weiterhin in Peschawar und Kabul aus.

Zwischen Rettung und Stillstand

Ein Beispiel ist Ahmad Samim, der früher als Tontechniker für die Bundeswehr gearbeitet hatte. Er lebt heute in Deutschland und arbeitet als Rezeptionist in einem Hotel. Deutschland habe ihm geholfen, sagt er, zugleich macht er klar: Wer Hilfe verspreche, müsse auch dazu stehen. Anders ist die Lage bei Javad Niazi, der für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit tätig war. Er sitzt mit seiner Familie noch immer im pakistanischen Peschawar fest.

Seine Lage beschreibt er laut DW als ausweglos. Die Ersparnisse seien verbraucht, eine Aufenthaltsgenehmigung habe er nicht. Aus Angst vor pakistanischen Sicherheitskräften verlasse die Familie ihre Unterkunft kaum noch. Einkäufe erledige der 14-jährige Sohn erst bei Dunkelheit. Schule, Arztbesuche oder normale Wege durch die Stadt seien praktisch nicht möglich.

Aufnahmestopp verschärft die Not

Besonders schwer wiegt für die Betroffenen der Kurswechsel in Berlin. Die neue Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD unter Kanzler Friedrich Merz verhängte im Mai 2025 einen Aufnahmestopp für afghanische Ortskräfte. Damit wurden frühere Zusagen politisch faktisch kassiert.

Ein halbes Jahr nach dem Stopp wandten sich die Zurückgebliebenen laut DW sogar mit einem Hilferuf direkt an den Kanzler. Für viele geht es nicht mehr nur um Bürokratie, sondern um Sicherheit, Alltag und Überleben. Die zentrale Frage bleibt: Was ist ein deutsches Versprechen noch wert, wenn es für Hunderte Menschen in Kabul und Peschawar nicht mehr gilt?

Foto: Wikimedia Commons / Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0

Mehr aus Politik

Wong bekennt sich schuldig
Politik02. September 2026

Wong bekennt sich schuldig

Der inhaftierte Demokratie-Aktivist Joshua Wong hat sich in Hongkong in einem weiteren Verfahren schuldig bekannt. Dem 29-Jährigen wird Verschwörung mit ausländischen Kräften vorgeworfen, es drohen weitere Jahre Haft.

Alarm um Tunesiens NGOs
Politik02. September 2026

Alarm um Tunesiens NGOs

Menschenrechtler werfen Präsident Kais Saied vor, in Tunesien immer härter gegen die Zivilgesellschaft vorzugehen. Laut Aktivisten und Human Rights Watch werden Organisationen eingeschüchtert, suspendiert und strafrechtlich unter Druck gesetzt.

Berlin schlägt gegen Moskau zurück
Politik02. September 2026

Berlin schlägt gegen Moskau zurück

Nach einem vereitelten Drohnenangriff am Flughafen Leipzig macht die Bundesregierung Russland verantwortlich. Berlin reagiert mit der Schließung des letzten russischen Generalkonsulats in Deutschland und weiteren Maßnahmen.

Neue Angriffe im Nahen Osten
Politik02. September 2026

Neue Angriffe im Nahen Osten

Die USA haben nach eigenen Angaben erneut Ziele im Iran nahe der Straße von Hormus angegriffen. Iran meldet zivile Opfer und reagierte laut Jordanien mit 13 ballistischen Raketen auf den jordanischen Luftraum.

Flut-Horror in Nepal
Politik01. September 2026

Flut-Horror in Nepal

Nach den schweren Überschwemmungen im Himalaya sind allein in Nepal mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen. Tausende gelten in Nepal und China weiter als vermisst, während Helfer vor wachsenden Gesundheitsgefahren warnen.

Berlin zeigt Moskau an
Politik01. September 2026

Berlin zeigt Moskau an

Die deutsche Regierung macht Russland für den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig verantwortlich. Nach neuen Ermittlungen kündigte Berlin Sanktionen, schärfere Einreisekontrollen und die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn an.