Serie zeigt Behörden-Panne
Die Miniserie „Breitscheidplatz 19/12“ feierte beim Toronto Filmfestival Premiere. Sie erzählt die Vorgeschichte des Berliner Anschlags von 2016 und rückt das Versagen der Behörden im Fall Anis Amri in den Mittelpunkt.
Foto: Wikimedia Commons / Andreas Trojak from Deutschland, CC BY 2.0
Beim Toronto International Film Festival hat die Miniserie „Breitscheidplatz 19/12“, international unter dem Titel „Blindspot Berlin“, ihre Weltpremiere gefeiert. Im Zentrum steht nicht nur der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016, sondern vor allem die Frage, warum er trotz monatelanger Ermittlungen nicht verhindert wurde.
Der Fall gehört zu den schwersten dschihadistischen Taten in Deutschland: Anis Amri, ein tunesischer Asylbewerber mit abgelehnten Anträgen und bereits bekannten Kontakten zu den Sicherheitsbehörden, raste mit einem entführten Lastwagen über den Breitscheidplatz. Dabei starben zwölf Menschen, darunter auch der polnische Fahrer Lukasz Urban, den Amri zuvor erschossen hatte. Zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt; ein weiteres Opfer starb 2021 an den Spätfolgen.
Blick ins salafistische Milieu
Die Handlung setzt ein Jahr vor dem Anschlag an. Verfolgt werden ein Ermittler, eine Arabisch-Übersetzerin und ein verdeckter Informant, die versuchen, in das Umfeld des Predigers Abu Walaa vorzudringen. Dort stoßen sie auch auf Amri, dessen Gefährlichkeit in der Serie immer deutlicher wird. Trotzdem wird die Bedrohung von Vorgesetzten wiederholt unterschätzt.
- Schauplatz ist das salafistische Netzwerk um Abu Walaa
- Die Hauptfiguren Frank, Isra und Murat sind fiktiv
- Die Grundlage bilden bekannte Fakten und parlamentarische Untersuchungen
Nahe an den Fakten
Die Macher betonen, dass sich die Serie eng an den bekannten Verlauf des Falls hält. Besonders im Fokus stehen institutionelle Fehler und Fehleinschätzungen. Ein zentrales Beispiel: Amri wurde offenbar auch deshalb nicht als möglicher Terrorist eingestuft, weil er zugleich als Drogendealer galt – etwas, das die Behörden damals nicht mit islamistischem Extremismus zusammenbrachten.
Nach dem Anschlag floh Amri quer durch Europa und wurde vier Tage später bei einer Ausweiskontrolle nahe Mailand von der italienischen Polizei erschossen. „Breitscheidplatz 19/12“ macht aus diesem bekannten Fall keinen klassischen Thriller, sondern ein Drama über blinde Flecken im Sicherheitsapparat – und über Warnzeichen, die offenbar zu lange übersehen wurden.
Quelle: DW Deutsch






