Sport

Neue Regeln gegen TV-Sexismus

14. August 2026
Neue Regeln gegen TV-Sexismus

Bei der Leichtathletik-EM in Grossbritannien rückt eine neue TV-Praxis Athletinnen anders ins Bild. Die EBU fordert mit ihrem Leitfaden seit Mitte Juni mehr Respekt und ein Ende voyeuristischer Kameraperspektiven im Frauensport.

Frauen im Sport sollen im TV vor allem für ihre Leistung sichtbar sein – nicht als Objekt. Genau darauf zielt der neue EBU-Leitfaden „Raising the Bar“, der seit Mitte Juni vorliegt. Bei der Übertragung des 100-Meter-Finals der Frauen an der Leichtathletik-EM in Grossbritannien war bereits zu sehen, wie das aussehen kann: Die Kamera blieb bei sportlich sinnvollen Perspektiven, zeigte den Lauf aus der Distanz und setzte nach dem Rennen auf das Gesicht der Siegerin statt auf ihren Körper.

Klare Ansage an die TV-Regie

Die European Broadcasting Union will Athletinnen mit dem Papier gezielt vor sexualisierten und voyeuristischen Bildern schützen. Der Leitfaden zeigt mit Beispielen, welche Einstellungen gewünscht sind – und welche nicht. Im Fokus steht der sportliche Moment, nicht einzelne Körperpartien.

Anstoss dafür kam direkt aus dem Spitzensport. Im Vorwort schildert die britische Stabhochspringerin Holly Bradshaw, dass Athletinnen und Athleten im Wettkampf teils mehr an Kameras als an ihre Leistung denken. Die serbische Weitspringerin Ivana Španović warnt zudem vor den Folgen, wenn unvorteilhafte Aufnahmen in sozialen Medien landen – das könne die psychische Gesundheit und auch Karrieren belasten.

Altes Muster, neue Debatte

Dass Sportlerinnen oft stärker über ihren Körper als über ihre Leistung wahrgenommen werden, hat laut Birgit Braumüller vom Institut für Soziologie und Genderforschung an der Sportschule Köln eine lange Geschichte. Management und Medien hätten Frauensport lange auch über Sexualisierung vermarktet – vor allem mit Blick auf ein männliches Publikum. Wie tief diese Haltung verankert war, zeigte sich laut SRF noch 2004, als FIFA-Präsident Sepp Blatter engere und kürzere Hosen für Fussballerinnen ins Spiel brachte.

Für Braumüller liegt der entscheidende Punkt in der Absicht hinter dem Bild: Soll eine sportlich relevante Bewegung gezeigt werden – oder wird die Aufmerksamkeit bewusst auf bestimmte Körperstellen gelenkt? Das Bewusstsein für die Macht solcher Bilder sei heute zwar gewachsen. Ganz verschwunden seien alte Darstellungsmuster aber noch nicht.

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