Riskantes Merkur-Manöver
Die ESA steht bei der Mission BepiColombo vor dem entscheidenden Schritt: Nach acht Jahren Flug soll das Trägermodul am Merkur abgetrennt werden. Gelingt das Hochrisiko-Manöver, könnten erstmals zwei Sonden gleichzeitig den Planeten umkreisen.
Für die Raumfahrt steht ein besonderer Moment bevor: Die Mission BepiColombo soll nach acht Jahren Flug ihr Trägermodul abwerfen und damit den Weg für zwei Forschungssonden am Merkur freimachen. Nach Angaben der ESA wäre das ein Novum: Erstmals sollen zwei Sonden gleichzeitig eng um einen fremden Planeten kreisen und ihn parallel beobachten.
Entscheidung nach Funkstille
Der kritische Ablauf beginnt um 14 Uhr. Dann startet die Abtrennung des Moduls, das die europäische und die japanische Sonde über Jahre präzise bis zum innersten Planeten des Sonnensystems gebracht hat. Für das Team ist das ein heikler Moment mit vielen möglichen Fehlerquellen. Erst nach rund zwei Stunden Funkstille wird klar sein, ob das Manöver wie geplant funktioniert hat.
Die Bedingungen vor Ort machen die Sache zusätzlich brisant. Auf Merkur steigen die Oberflächentemperaturen auf bis zu 450 Grad Celsius, gleichzeitig trifft intensive Sonnenstrahlung auf die Technik. Besonders empfindlich ist dabei ein Sonnenkollektor der europäischen Sonde: Bei der Trennung vom Modul muss er exakt ausgerichtet sein. Schon kleinste Abweichungen könnten die Solarzellen dauerhaft beschädigen.
Warum Merkur so spannend ist
Weil bei der Ablösung so viel schiefgehen kann, hat das Missionskontrollteam in den vergangenen Monaten nach ESA-Angaben ausschliesslich Problemszenarien geübt. Sollte der Einsatz gelingen, bleiben die beiden Sonden zunächst gemeinsam unterwegs, bevor sie ab Dezember getrennt um Merkur kreisen und den Planeten aus verschiedenen Blickwinkeln untersuchen.
- Ziel: gleichzeitige Beobachtung des Merkurs mit zwei Sonden
- Besonderheit: Messungen aus mehreren Positionen zur gleichen Zeit
- Fragen: Entstehung planetennaher Welten, Wirkung des Sonnenwinds, ungewöhnlich hohe Dichte des Merkurs
Gerade diese parallelen Daten sollen helfen, offene Rätsel zu klären: Wie entstehen Planeten so nah an ihrem Stern? Was passiert mit einem Himmelskörper ohne Atmosphäre unter voller Belastung durch den Sonnenwind? Und warum ist Merkur gemessen an seiner Grösse so schwer? Die Antworten darauf könnten auch neue Hinweise zur Entstehung unseres Sonnensystems liefern.
Quelle: SRF






