Musik & Film

Rap-Streit um Palästina

18. August 2026
Rap-Streit um Palästina

Der palästinensischstämmige Popstar Saint Levant und Rapper Shabjdeed aus dem Westjordanland lösen mit einem Diss-Track eine Debatte aus. Im Kern geht es darum, wer Palästina auf der globalen Bühne vertreten kann.

Foto: Matt Hrkac of Matt Hrkac Photography / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Ein Diss-Track sorgt gerade weit über die Hip-Hop-Szene hinaus für Diskussionen. Im Mittelpunkt stehen Saint Levant und Shabjdeed – und damit die Frage, wer eigentlich das Recht hat, Palästina musikalisch zu repräsentieren. Was sonst oft nur ein verbaler Schlagabtausch zwischen Rappern ist, hat sich hier zu einer größeren kulturpolitischen Debatte entwickelt.

Der eine ist ein global erfolgreicher Popstar: Saint Levant, bürgerlich Marwan Abdelhamid, ist 25 Jahre alt, in Jerusalem geboren und hat einen Teil seiner Kindheit in Gaza verbracht. Seine palästinensischen Wurzeln zeigt er offen, etwa mit einem Anhänger in den Umrissen des historischen Palästinas oder einem Tattoo mit einer arabischen Jerusalem-Botschaft. Der Musiker singt auf Englisch, Französisch und Arabisch und stand bereits auf großen Festivalbühnen wie Coachella oder dem Gurten.

Auslöser war ein neuer Song

Der aktuelle Streit entzündete sich an Saint Levants neuem Track „Mitsubishi“. Im Video ist er mit der libanesischen Sängerin Haifa Wehbe in Beirut unterwegs – im Cabrio, beim Shoppen und im Fitnesscenter. Genau das bringt Shabjdeed auf den Plan. Der Rapper aus dem besetzten Westjordanland antwortet mit dem Diss-Track „SLV“ und wirft Saint Levant vor, die Heimat zu verkaufen.

Debatte auf der Straße und im Netz

Die Reaktionen fallen deutlich aus – nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern auch in Cafés und auf Straßen im Westjordanland. Im Kern stehen zwei sehr unterschiedliche Perspektiven: der international erfolgreiche Künstler aus der Diaspora, der auch über Autos und Frauen singt, und der Rapper, der in seiner Musik den Alltag unter israelischer Besatzung verarbeitet.

Der Psychologe und Radiomoderator Fadi Badarneh aus Ramallah hält die Diskussion für wichtig. Aus seiner Sicht hat der Diss-Track eine notwendige Frage aufgeworfen: Wer ist ein palästinensischer Künstler – und wer spricht für Palästina? Seine Antwort fällt klar aus: Beide tun es, auf unterschiedliche Weise. Genau darin liegt wohl auch der eigentliche Kern dieses Pop-Konflikts.

Quelle: SRF

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