Musik & Film

Oscar-Team unter Druck

15. September 2026
Oscar-Team unter Druck

Der israelische Dokumentarfilm „Naza“ wurde in Venedig gefeiert, bringt seine Macher in Israel aber massiv in Bedrängnis. Kulturminister Miki Zohar droht laut SRF sogar mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft.

Foto: Wikimedia Commons / Martin Kraft, CC BY-SA 4.0

Beim Filmfestival in Venedig wurde der israelische Dokumentarfilm „Naza“ nach seiner Premiere mit einer 25-minütigen Standing Ovation gefeiert. Doch während das Werk international Anerkennung bekommt, wächst in Israel der Druck auf die Verantwortlichen. Laut SRF hat Kulturminister Miki Zohar den Filmemachern sogar mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft wegen angeblichen Landesverrats gedroht.

Worum es in „Naza“ geht

Der Film von Yuval Abraham und Rachel Szor untersucht das mutmaßliche System hinter der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen. Dafür führte Abraham Interviews mit rund zwei Dutzend Mitgliedern des israelischen Geheimdienstes. Die Gesprächspartner bleiben anonym: Ihre Stimmen wurden digital verfremdet, ihre Gesichter im Dunkeln gehalten. Im Zentrum steht die Frage, wie Ziele ausgewählt werden und wie viele zivile Opfer dabei als hinnehmbar gelten.

Der Titel „Naza“ verweist laut SRF auf einen militärischen Wert zur Berechnung ziviler Opfer. Bekannt sei in diesem Zusammenhang auch die US-Abkürzung NCCV für „non combatant casualty value“. Gemeint ist ein System, bei dem die Bedeutung eines militärischen Ziels darüber entscheidet, wie hoch die Zahl möglicher ziviler Opfer angesetzt wird.

Heftige Reaktionen in Israel

Das israelische Militär weist darauf hin, dass die angeblichen Geheimdienstmitarbeitenden nicht überprüfbar seien. SRF verweist jedoch darauf, dass an dem Projekt auch Rechercheteams des britischen „Guardian“ und der israelischen Plattform +972 beteiligt waren. Demnach seien Aussagen zusätzlich digital und mit weiteren Quellen abgeglichen worden.

Nicht nur die Regierung reagiere empört, auch in der israelischen Bevölkerung sei die Debatte laut SRF heftig. Der Film trifft damit einen besonders sensiblen Nerv: international preisgekrönt, im eigenen Land aber schwer umkämpft.

Quelle: SRF

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