Musik & Film

Niki-Ausstellung zeigt neue Seiten

10. September 2026
Niki-Ausstellung zeigt neue Seiten

Im Düsseldorfer Kunstpalast startet die Ausstellung „Dream Machine“ über Niki de Saint Phalle. Im Mittelpunkt stehen ihre berühmten „Nanas“ – aber auch die dunkleren, radikaleren Seiten ihres Werks.

Foto: Franzrycou / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Niki de Saint Phalle steht für Frauenfiguren, an denen man kaum vorbeikommt: riesig, farbstark und voller Energie. Im Kunstpalast Düsseldorf ist ab sofort die Ausstellung „Dream Machine“ zu sehen, die nicht nur die berühmten „Nanas“ feiert, sondern auch die widersprüchlichen und düsteren Facetten der Künstlerin sichtbar macht. Die Schau läuft bis 7. Februar 2027.

Besonders bekannt sind de Saint Phalles Figuren in Hannover: Die drei „Nanas“ Sophie, Charlotte und Caroline gehören dort längst zum Stadtbild. Als die Skulpturen 1974 am Leibnizufer aufgestellt wurden, gab es jedoch heftige Reaktionen. Gerade weil die rundlichen, selbstbewussten Frauenkörper nicht dem damaligen Schönheitsideal entsprachen, sorgten sie für Ärger. Genau diese Reibung war gewollt: De Saint Phalle platzierte ihre Figuren bewusst im öffentlichen Raum, um eingefahrene Vorstellungen von Weiblichkeit herauszufordern.

Weiblichkeit als Kampfansage

Der Begriff „Nana“ steht im Französischen für eine selbstbewusste, erotisch aufgeladene Frau. De Saint Phalle machte daraus ihr künstlerisches Markenzeichen. Schon Mitte der 1960er-Jahre entstand in Paris die erste dieser Arbeiten. Kurz darauf folgte in Stockholm gemeinsam mit Jean Tinguely eine monumentale Version: ein 29 Meter langer Frauenkörper, der durch die Vagina betreten werden konnte. Im Inneren warteten unter anderem ein Kino, eine mechanische Gebärmutter, eine Liebesnische und eine Milchbar.

Kuratorin Heike van den Valentyn betont, dass de Saint Phalle weibliche Erfahrungen wie Schwangerschaft, Geburt und die Ambivalenz von Mutterschaft in den Mittelpunkt rückte. In einer von Männern dominierten Kunstwelt der 1960er-Jahre war das alles andere als selbstverständlich. Heute werde die Aktualität dieser Themen viel deutlicher erkannt als damals.

Mehr als nur bunt und fröhlich

Die Düsseldorfer Ausstellung zeigt aber auch, dass de Saint Phalles Werk nicht nur aus überschäumender Lebensfreude bestand. Am Anfang stand oft Wut. In ihren sogenannten Schießbildern griff die Künstlerin selbst zum Gewehr und schoss auf ihre Arbeiten, aus denen daraufhin gelbe, rote oder violette Farbe lief. Für die Kuratorin steckt darin ein bewusstes Spiel mit Zerstörung und Neuschöpfung – eine Form der Selbstermächtigung durch Kunst. Genau diese Spannung zwischen Leichtigkeit und Angriffslust macht Niki de Saint Phalles Werk bis heute so faszinierend.

Quelle: Tagesschau

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