92-Jähriger packt Eis-Tagebücher aus
Der Grafinger Polarforscher Egon Dorrer war in den 1960er Jahren zweimal für je drei Monate in der Antarktis. Jetzt stellt der 92-Jährige seine bebilderten Tagebücher als Buch in Grafing vor.
Foto: merkur
Egon Dorrer aus Grafing hat Dinge erlebt, die selbst heute noch außergewöhnlich klingen: Der inzwischen 92-Jährige war Anfang der 1960er Jahre zweimal in der Antarktis im Einsatz. Als Kartograf und Gletscherforscher nahm er an einer sechsköpfigen Vermessungsexpedition des United States Antarctic Research Program teil und verbrachte 1962/63 sowie 1965/66 jeweils drei Monate am Südpol.
Mission im ewigen Eis
Seine Aufgabe war alles andere als klein: Dorrer und seine Kollegen sollten die Bewegung des Ross-Schelf-Eises vermessen. Dieses gewaltige Eisgebiet gilt als das größte Schelf-Eis der Erde, ungefähr so groß wie Frankreich und stellenweise mehr als einen Kilometer dick. Für die Forschung war das ein wichtiger Schritt, denn weite Teile des antarktischen Inneren waren damals kartografisch noch kaum erfasst.
Der Grafinger gehörte zu einem Team aus sechs Männern: zwei Amerikaner, ein Engländer und drei Deutsche. Unterwegs waren sie mit benzinbetriebenen Schneemobilen, die Holzschlitten mit Ausrüstung zogen. Mit an Bord: Messgeräte, Lebensmittel, Zelte sowie Rohre und Bambusstangen, die als Markierungen in den Schnee gesetzt wurden. Komfort spielte dabei keine Rolle – die Forscher trotzten Temperaturen bis minus 43 Grad, schliefen in doppelwandigen Zwei-Mann-Zelten und bewegten sich durch Whiteouts, bei denen der Horizont praktisch verschwand.
Aus Expedition wird Buch
Was Dorrer damals notierte, ist nun in einem bebilderten Buch versammelt. Seine Antarktis-Tagebücher hat er im Eigenverlag veröffentlicht. Vorgestellt wird das Werk am 17. November um 18.30 Uhr in der Stadtbücherei Grafing. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
- Buchtitel: „Meine Antarktis-Tagebücher“
- Ort: Stadtbücherei Grafing
- Preis: 50 Euro
Für Dorrer war die Teilnahme an der Expedition eine einmalige Gelegenheit. Heute blickt er von seinem Wohnzimmer in Grafing auf eine Zeit zurück, in der die Antarktis für Forscher noch deutlich rauer und unbekannter war als heute. Seine Messungen gelten inzwischen als Meilenstein der Polarforschung – und seine Tagebücher holen dieses Kapitel nun noch einmal aus der Kälte zurück.
Quelle: merkur






